Dr. Kimble – Auf der Flucht
The Fugitive
Die anfangs noch in schwarz-weiß vom amerikanischen Fernsehsender ABC ausgestrahlte Serie "The Fugitive" gehört zu den Krimireihen, die inzwischen Kultcharakter erlangt haben, auch bei uns fesselte die Reihe unter dem Titel "Dr. Kimble – Auf der Flucht" Woche für Woche Millionen von Zuschauern vor dem Bildschirm; der Ausspruch "Wie Richard Kimble auf der Flucht…"wurde zum Bestandteil des deutschen Sprachschatzes und geriet zum geflügelten Wort.
In den USA musste sich Protagonist Dr. Kimble (David Janssen) erstmals am 17. September 1963 auf die Flucht begeben, 120 Episoden lang entkam er bis Ende August 1967 immer wieder seinen Häschern. Ausgangspunkt der spektakulären Verfolgungsjagden ist der Mord an Helen Kimble (Diane Brewster), für den Ehemann Dr. Kimble, ein angesehener Chirurg, aufgrund belastender Indizien unschuldig zum Tode durch den elektrischen Stuhl verurteilt wird. Durch einen glücklichen Umstand gelingt ihm während des Transports in das Gefängnis die Flucht, seither macht sich Dr. Kimble quer durch Amerika auf die Suche nach dem wahren Mörder Fred Johnson (Bill Raisch), einem mysteriösen einarmigen Typen, den er kurz vor Entdeckung des Mordes aus seinem Haus hat kommen sehen. Immer entkommt er bei seinen Recherchen nur haarscharf den Fängen der Polizei, Hauptwidersacher ist dabei Lieutenant Phil Gerard (Barry Morse), der Dr. Kimble gnadenlos verfolgt. Die Figur des Phil Gerard tauchte real nur in wenigen Episoden auf, dafür war der Verfolger jedoch –  auch nicht sichtbar – immer bedrohlich im Hintergrund präsent.
  
Kimble hat eigentlich keine Chance, und doch schafft er es immer wieder, ein Versteck und eine Möglichkeit zur Flucht zu finden. Denn eigentlich ist Kimble ein durch und durch ehrlicher Mensch, der sogar seine eigene Sicherheit aufs Spiel setzt, um anderen zu helfen. Dabei wird auch ihm selbst wieder geholfen, erneut unterzutauchen. Auf seiner scheinbar endlosen Flucht sucht Kimble, unter anderem mit Hilfe seiner verheirateten Schwester Donna (Jaqueline Scott), fieberhaft nach Beweisen für seine eigene Unschuld und nach dem einarmigen Mann, den er für den Mörder hält. Immer wieder kann er ihn entdecken, doch erst in der letzten Folge gelingt es ihm: Kimble findet den einarmigen Mann, Gerard findet Kimble und er wird von jeder Schuld freigesprochen, obwohl der Einarmige inzwischen tot ist und die Wahrheit nicht sagen konnte. Um zu verhindern, dass der Einarmige Kimble erschießt, tötete Gerard den Einarmigen.
(Quelle: Schwarzkopf & Schwarzkopf, Der neue Serien-Guide, Bd. 1, S. 188)

Die vierte und letzte Staffel (Folgen 91 – 120) war in Farbe gedreht worden, die ARD brachte ab 9. Juli 1965 bis 20. Oktober 1967 zunächst 26 Folgen auf den Bildschirm, die in den 70ern in verschiedenen 3. Programmen wiederholt wurden; Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre wiederholte auch SAT.1 diese Episoden und zeigte 49 neue Geschichten. Jede Geschichte begann mit den dramatischen Worten (im Original gesprochen von William Conrad): "Name: Dr. Richard Kimble. Beruf: Arzt. Reiseziel: Die Todeszelle im Staatsgefängnis. – Aber er ist unschuldig. Kurz bevor er die Leiche seiner Frau fand, sah er einen einarmigen Mann von seinem Haus weglaufen. Aber das konnte er nicht beweisen. Und so wurde er verurteilt. Richard Kimble sieht die Welt zum letzten Mal. Eine dunkle Welt… Doch da fällt eine schicksalhafte Entscheidung…" ("Name: Richard Kimble. Profession: Doctor of medicine. Destination: Death Row, state prison. Richard Kimble has been tried and convicted for the murder of his wife. But Richard Kimble is innocent…")
Nicht nur eingefleischte "Kimble"-Fans zitterten Folge für Folge, ob ihrem Idol eine erneute Flucht gelang, durchlitten mit ihm gefährlich-tragische Situationen, etwa wenn er von einem Auto angefahren oder angeschossen wurde, zeitweise erkrankte der Serienheld sogar an Amnesie und Blindheit. Um zu überleben, musste Kimble schlecht bezahlte Gelegenheitsjobs und auch neue Identitäten annehmen, gelegentlich setzte er seine eigene Sicherheit aufs Spiel, um anderen Unschuldigen aus der Bredouille zu helfen. Die letzten beiden Folgen mit dem Titel "The Judgment" (Der Täter) erreichten in den  USA am 22. bzw. 29. August 1967 einen ungeahnten Zuschauerrekord, der jahrelang zu den höchsten in der Fernsehgeschichte zählte und erst dreizehn Jahre später durch "Dallas gebrochen wurde. David Janssen erhielt für die Darstellung des Dr. Richard Kimble von der Zeitschrift HÖR ZU im Jahre 1966 die Goldene Kamera verliehen. Die letzten beiden Folgen der Serie erzielten Rekord-Zuschauerzahlen. Sebastian Fischer lieh David Janssen seine einfühlsame deutsche Stimme. (Quelle:
www.tvder60er.de)
  
Die phantastische Geschichte basierte auf einem authentischen Fall: 1954 war Dr. Sam Sheppard in Cleveland wegen angeblichen Mordes an seiner schwangeren Frau zum Tode verurteilt worden und verbrachte 10 Jahre lang in einem Gefängnis in Ohio, bevor er durch ein Gericht begnadigt wurde. Der Fall hatte damals für enormes Aufsehen gesorgt, die Presse befasste sich wochenlang mit der unfassbaren Geschichte. Dr. Sam Sheppard verstarb nahezu mittellos 1970 im Alter von nur 46 Jahren an einer Lebererkrankung. Bis zuletzt hatte er immer wieder beteuert, dass ein Mann mit buschigem Haar in die Wohnung eingedrungen sei und seine Frau brutal ermordet habe. Sohn Sam Reese Sheppard machte sich auf die Suche nach dem wahren Mörder seiner Mutter Marilyn, um seinen Vater zu rehabilitieren, konnte den Täter schließlich fassen bzw. der Polizei übergeben; bis heute setzt er sich für die Abschaffung der Todesstrafe ein. Sheppard ist außerdem Autor des Buches "Mockery of Justice", Mitglied der Organisation "Citizens United for Alternatives to the Death Penalty" (CAUPD) und Mitbegründer der "Journey of Hope – From Violence to Healing", die in ganz Amerika Protestmärsche gegen die Todesstrafe veranstaltet.

1993 entstand in den USA der Kinofilm "The Fugitive"1) nach dem Serienstoff mit Harrison Ford als Richard Kimble und Tommy Lee Jones als Deputy US Marshal Samuel Gerard; 1997 brachte Peter Levin die Story nach Aufzeichnungen von Sam Reese Sheppard unter dem Titel "Dr. Sam Sheppard: Unschuldig verurteilt" (My Father's Shadow: The Sam Sheppard Story) mit Peter Strauss in der Titelrolle auf die Leinwand. Eine weitere, wenn auch eher erfolglose Neuauflage der Originalserie gab es 2000, in der 22teiligen Reihe "Auf der Flucht – Die Jagd geht weiter" mimte Tim Daly den Dr. Kimble und Mykelti Williamson war als Lieutenant Gerard zu sehen.


1) Der Link führt zu www.prisma-online.de

Siehe auch www.tvder60er.de, www.fernsehserien.de, Wikipedia und www.tv-nostalgie.de;
weitere Links findet man bei www.wunschliste.de

  

Der Flüchtige und sein Verfolger
David Janssen … spielte den Dauerflüchtigen Dr. Kimble.
 
Geboren am 27. März 1931 als David Harold Meyer in Naponee (Nebraska),
gestorben am 13. Februar 1980 in Malibu (Kalifornien).
  
David Janssens Mutter Berniece war eine ehemalige Schönheitskönigin, die in jungen Jahren als "Miss Nebraska" nach Hollywood gekommen war und unter anderem bei den "Ziegfeld Follies" auftrat. Nach der Scheidung hatte sie 1937 Eugene Janssen geheiratet, der Sohn David adoptierte. Bereits während der Schule interessierte sich David Janssen für die Schauspielerei, sein Leinwanddebüt gab er 1945 mit einen Minipart in dem musikalischen Eisrevuefilm "It's a Pleasure" (Rausch der Farben, mit Sonja Henie). Wenige Jahre später erhielt der damals 18jährige einen Vertrag von der "20th Century-Fox", wechselte dann in den frühen 50er Jahren aufgrund mangelnder Rollenangebote zu "Universal". Janssen drehte in rascher Folge mehr als 30 Kinosteifen, der Durchbruch zum bekannten Darsteller gelang ihm jedoch nicht. Erst mit der Figur des Richard Diamond in der TV-Serie "Richard Diamond, Private Detective" (1957 – 1960) wurde er populär, als "Dr. Kimble" wurde er dann weltberühmt. Nach dem Ende der Serie "The Fugitive", die den Schauspieler durch die äußerst strapaziösen Dreharbeiten oft an den Rand seiner Kräfte gebracht hatten, setzte er seine Karriere erfolgreich fort. Er trat mit Hauptrollen in verschiedenen Fernsehproduktionen wie den Serien "O'Hara, U.S. Treasury" (1971) und "Harry O" (1974 – 1978) oder dem TV-Spiel "Birds of Prey" (1973, Duell der Helikopter) auf und wirkte in einigen Kinofilmen mit. Beispielsweise erlebte man ihn in "The Shoes of the Fisherman" (1968, In den Schuhen des Fischers) als Fernsehreporter George Faber an der Seite von Anthony Quinn, in dem Western "Macho Callahan" (1970) mimte er die Titelfigur oder neben Charlton Heston war er in dem Thriller "Two-Minute Warning" (1976, Lethal Game – Countdown in den Tod) zu sehen.
  
Als David Janssen 1980 kurz vor seinem 49. Geburtstag plötzlich an einem Herzanfall verstarb, hielten sich hartnäckige Gerüchte, seine Alkoholkrankheit bzw. Drogenmissbrauch sei der Auslöser dafür gewesen. Tatsächlich wird wohl eher seine rastlose Lebensweise, immer auf der Jagd nach neuer Arbeit, der Grund für den frühen Tod gewesen sein.
David Janssen, der als "Dr. Kimble" unsterblich wurde, war von 1958 bis zu seiner Scheidung im Jahre 1973 mit Ellie Graham verheiratet. Zwei Jahre später ehelichte er Schauspielerkollegin Dani Crayne.
 
Siehe auch Wikipedia

Weitere Filme1) mit David Janssen

Barry Morse … spielte den Verfolger Lieutenant Phil Gerard.

Geboren am 10. Juni 1918 als Herbert Morse in London,
gestorben am 2. Februar 2008 in London.
  
Aufgewachsen im Londoner Stadtteil Eastend, erhielt Barry Morse bereits mit 15 Jahren ein Stipendium an der "Royal Academy of Dramatic Art". Nach seinem Abschluss wurde er vor allem von der Theaterlegende Dame Sybil Thorndike gefördert, die das Talent des angehenden Schauspielers erkannte und ihm Rollen an renommierten britischen Bühnen verschaffte. Mit den Jahren avancierte Barry Morse selbst zu einem renommierten Theaterdarsteller, in den späten 30er Jahren stand er auch für verschiedenste Fernsehsendungen vor der Kamera, die damals von der BBC noch live übertragen wurden. Anfang der 50er Jahre ging Morse nach Kanada, arbeitete am Theater sowie für Hörfunk und Fernsehen. Neben Auftritten in zahlreichen anderen TV-Serien wurde er auch international bekannt mit der Rolle des Lieutenant Phil Gerard in "The Fugitive", in der er so authentisch agierte, dass er böse Zuschauerpost erhielt mit dem Tenor, er solle Dr. Kimble endlich in Ruhe lassen; während die Serie lief, wurde er mit dem Spitznamen "meistgehasster Mann von Amerika" belegt.
Die Filmografie des Schauspielers ist lang, ein Journalist schrieb vor einiger Zeit, dass Morse während seiner über 70-jährigen Schauspielerkarriere mehr als 3.000 Bühnen-, Film- und Fernsehrollen gespielt haben soll. Zu einem Markenzeichen wurde sein Talent, verschiedenste fremdsprachige Akzente nachahmen zu können.

Barry Morse war seit Ende März 1939 bis zu deren Tod am 30. September 1999 mit Schauspielerkollegin Sydney Sturgess verheiratet; aus der Verbindung stammen die drei Kinder Hayward, Melanie und Barry Richard Charles Morse. Der 1947 geborene Hayward Morse wurde ebenfalls Schauspieler, trat schon als Kind im kanadischen Fernsehen auf und wurde später als Theater- und Filmdarsteller auch international erfolgreich. Seine 1945 geborene Schwester Melanie Morse MacQuarrie wurde ebenfalls Schauspielerin, trat oft an der Seite ihres Vaters auf; Melanie Morse MacQuarrie starb am 1. Februar 2005 an einem Herzanfall.
 
Siehe auch Wikipedia

Weitere Filme1) mit Barry Morse

1) Link: Internet Movie Database
Um zur Seite der TV-Serien zurückzukehren, bitte dieses Fenster schließen.
Home: www.steffi-line.de