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Rudolf Fernau wurde am 7. Januar 1898 als Andreas Rudolf Neuberger in
München geboren. Er stammte aus einfachen Verhältnissen, sein Vater
war Bauer, bekam jedoch schon
in der Volksschule Geigenunterricht, da er Konzertmeister werden wollte.
Später nahm er am Münchener Konservatorium ein Musikstudium auf,
musste seine Pläne einer Musikerkarriere jedoch wegen eines Überbeins am
Handgelenk aufgeben und ließ sich bei Albrecht Steinrück sowie
Matthieu Lützenkirchen in Berlin zum Schauspieler
ausbilden. Ein erste Bühnenengagement brachten Fernau nach Ingolstadt,
dann wechselte er nach Regensburg, wo er als feuriger "Don Carlos"
brillierte; 1920 kam er nach Hamburg an Erich Ziegels Avantgarde-Bühne,
wurde in der "Baal"-Uraufführung von Brecht und Jessner
entdeckt und nach Berlin verpflichtet. Dort stand Fernau in den 1920er Jahren am
Deutschen Theater von Max Reinhardt sowie am Staatstheater u. a. mit Heinrich George,
Werner Krauß, Elisabeth Bergner und Paula Wessely auf
der Bühne.
Foto: Rudolf Fernau als alter vergessener Schriftsteller Harry Krahlmann
in dem TV-Drama "Du Land der Liebe" (1974)
Regie: Rolf von Sydow / Drehbuch: Herbert Asmodi
Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services
mit weiteren Infos
zu dem Fernsehspiel; © SWR
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In Berlin spielte er zwanzig Jahre lang am Theater und wurde
dort 1957 zum "Staatsschauspieler" ernannt; diese Auszeichnung hatte er auch
schon 1929 bzw. 1936 in Stuttgart erhalten. Während seiner Theaterkarriere
interpretierte Fernau so große Rollen wie Shakespeares "Hamlet", Schillers Franz Moor
in "Die Räuber" oder Goethes "Tasso". 1928/29 trat er
auch am Düsseldorfer Schauspielhaus bei Louise Dumont auf, außerdem war er
von 1926 bis 1929 Gast am "Theater in der Josefstadt" in Wien.
Ab 1930 wirkte Fernau über zehn Jahre lang am Staatstheater in Stuttgart,
dessen Ensemblemitglied er dann wieder von 1947 bis 1949 war. Danach konnte man
den Schauspieler bis 1953 am Staatstheater in München erleben, die folgenden
20 Jahre begeisterte er vor allem am Schloßpark- und Schillertheater in
Berlin. In diese Zeit fielen einige seiner weiteren großen Leistungen: So
glänzte er beispielsweise als "König Philipp" in Schillers
"Don Carlos", als "Kapitän Queeg" in Wouks "Die Caine
war ihr Schicksal" oder als reaktionärer Graf in Sternheims
"Kandidat".
Zum Film kam Fernau Mitte der 1930er Jahre und war erstmals 1936 als Fritz Brockau
in dem Krimi "Verräter"1) auf der Leinwand zu sehen. Berühmt wurde er dann
drei Jahre später als brutaler Verbrecher Alfred Hübner in Erich Engels
"Im Namen des Volkes"1). In der Folge sollte der versierte
Bühnendarsteller vom Rollentyp des negativen oder zwielichtigen Helden
bzw. Außenseiters nicht mehr loskommen und wurde im Film der 30er und
40er Jahre zum profiliertesten Interpreten asozialer, dämonischer und krimineller
Charaktere.
Nach seiner eher sympathische Rolle in Helmut Käutners "Auf
Wiedersehn,
Franziska"2) (1941) sah man Fernau ein Jahr später als stoisch-mysteriösen Ehegattenmörder
in "Dr. Crippen an Bord"1) (1942) diese Titelrolle war ihm so auf
den Leib geschrieben, dass sich der
Schauspieler danach vor Heiratsangeboten nicht retten konnte. Fernau
zeigte sich beispielsweise als Graf Wengen in Erich Waschnecks
Historienstreifen "Die Affäre Roedern"1)
(1944), in dem Kriminalfilm
"Der stumme Gast"1) nach Theodor Fontanes Novelle "Unterm
Birnbaum" verkörpert er 1945 den vulgären Geschäftsmann und Frauenjäger
Kampmann, der auf mysteriöse Weise verschwindet.
Er war 1949 der aufgrund von Indizien verurteilte
tragische Tropenarzt Dr. Jordan in Engels "Mordprozess Dr. Jordan",
1954 ein mitleids- und gefühllos reagierender Bankier in "Weg in die
Vergangenheit" oder 1963 ein Mitglied der High-Society von zweifelhafter
Vergangenheit in dem Wallace-Krimi "Der Würger von Schloss Blackmoor"2). Man bediente sich Fernau's schillernder Darstellungskunst in
verschiedensten Wallace-Filmen, so mimte er 1961 den Dr. Tappatt in "Die
Seltsame Gräfin"2), 1961 den Pfarrer Breitenstein in
"Im Stahlnetz des Dr. Mabuse"2), 1962 den Professor Erasmus in "Die
Unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse"2) oder 1963
den Jerome in "Der
Henker von London"2). Im Kino erlebte man ihn zuletzt
als Kammergerichtsrat Fromm in der Fallada-Adaption zusammen mit Hildegard Knef und Carl Raddatz in
"Jeder stirbt für sich allein"2) (1975)
sowie als Schauberg in der Simmel-Verfilmung
"Bis zur bitteren Neige" (1975).
Parallel zu seiner Film- und Theaterarbeit war Fernau als Synchronsprecher
tätig und ab den 1960er Jahren sah man ihn auch vermehrt auf dem Fernsehbildschirm: Er
spielte beispielsweise 1962 den Dr. Toll in TV-Fassung des Fallada-Romans "Jeder stirbt für sich allein",
man erlebte ihn
unter anderem mit Hauptrollen in Rolf von Sydows "Du Land der Liebe" (1974; Drehbuch: Herbert
Asmodi) und Eberhard Itzenplitz' Zuckmayer-Adaption "Die Fastnachtsbeichte" (1976); zu seinen letzten Arbeiten zählt der von Ulrich Heising inszenierte TV-Film "Qualverwandtschaften" (1982).
Verräter, Gequälte, Gehetzte und Mörder waren sein Metier und er zählte
zu den intelligenten Zynikern und den Finsterlingen Typen, denen er mit
seinem asketischen Körperbau, dem von Falten durchfurchten Charakterkopf und
seinen stechenden Augen Leben einhauchte. Der Film nach 1945 vernachlässigte diese interessante Schattenseite
seines darstellerischen Wesens und besetzte ihn meist als Rittergutsbesitzer,
Staatskanzler, Pfarrer Arzt oder Psychiater, Rollen mit denen Fernau jedoch seine
Vielseitig beweisen konnte.3)
Rudolf Fernau, der über 60 Jahre lang glücklich mit der Schauspielerin Olga
(Oljuschka)
von Mahr verheiratet war, starb
am 4. November 1985 im Alter von 87 Jahren in München; er wurde auf dem
Friedhof Haidhausen bei München beigesetzt.
Der bekannte Kritiker Friedrich Luft schrieb in einem Nachruf auf den
Schauspieler unter anderem: "
Er war ein Nervenspieler. Er konnte
mühelos und hochintelligent Unheimlichkeit verbreiten. Er konnte im Bereich
der Zwiespältigkeit in so vielen Gangarten des tragischen schauspielerische
Klarheit verschaffen. Er war grandios bei Shakespeare wie in einem Nestroy, in
modernen Rollen genauso wie in einem prekären Klassiker. Er gehörte für
Jahrzehnte zum besten Bestand des deutschen Theaters."
Bereits 1972 hatte der erfolgreiche Charakterschauspieler seine Lebenserinnerungen
unter dem Titel "Als Lied begann's. Lebenstagebuch eines Schauspielers"
veröffentlicht; als Motto vor seine Autobiografie stellte er den
Nestroy-Ausspruch "Das Theater ist ein Himmel, in dem einem höllisch
eingeheizt wird. Man muss schon von kräftigen und widerstandsfähigen Eltern
abstammen, um es beim Theater auszuhalten."
Aus Anlass seines 80. Geburtstages zeigte das Fernsehen 1978 eine 45-Minuten-Sendung über und mit
Fernau unter dem Titel "Lebensspuren".
Rudolf Fernau erhielt für seine Leistungen 1965 das Bundesverdienstkreuz
Erster Klasse, 1979 das "Filmband in Gold" sowie 1983 die
Thomas-Mann-Medaille und die Ehrenmedaille der Stadt München.
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