Ivan Desny wurde am 28. Dezember 1922 als Ivan Nikolai Desnitzky in Peking (China) geboren. Sein Vater war Russe und Botschaftssekretär an der französischen Botschaft in Peking, seine Mutter war Schwedin. Desny, der in in Teheran, Washington, Brisbaine und Paris zur Schule ging, begann nach einem abgebrochenem Jurastudium (Cambridge) eine Schauspielausbildung bei René Simon in Paris. Zunächst startete er seine Karriere jedoch als Kostümzeichner und Dekorateur, bis ihm Pierre Fresnay am "Théâtre de la Michodiére" in "Sex Faibles" eine größere Rolle gab. Dort wurde er von dem englischen Regisseur David Lean entdeckt, der ihn 1949 in dem Film "Madeleine Smith" einsetzte. Nach weiteren Rollen in zahlreichen französischen Filmen wie beispielsweise "La Putain respectueuse" (1952, Die ehrbare Dirne) oder "Le Bon Dieu sans confession" (1953) wurde Desny ab 1953 auch in Deutschland bekannt.
Die Sartre-Verfilmung "Die ehrbare Dirne" hatte die deutsche Öffentlichkeit auf den attraktiven Schauspieler aufmerksam gemacht; Desny beeindruckte durch die präzise Gliederung seiner Darstellung des jungen, labilen Amerikaners Fred Clarke, der sich als politisches Werkzeug zur Vertuschung eines Mordes an einem Farbigen missbrauchen lässt.
 
Das Foto (auch Hintergrund) wurde mir freundlicherweise von dem Fotografen Edmond Frederik zur Verfügung gestellt.
© Edmond Frederik
Ivan Desny 01; Copyright Edmond Frederik
In der nachfolgenden Zeit gehörte Desny zu den vielbeschäftigten Leinwanddarstellern und geriet zum heimlichen Frauenschwarm, stand seit Mitte der 50er Jahre vorwiegend für deutsche Produktionen vor der Kamera. Seinen Wohnsitz hatte er inzwischen nach Deutschland verlegt.
Zu Desny's besten deutschen Filmrollen zählen sein leidenschaftlicher Protagonist Michael in Victor Vicas Drama "Weg ohne Umkehr" aus dem Jahre 1953 an der Seite von René Deltgen, oder sein russischer Offizier Minski in "Dunja"(1955) als Partner von Eva Bartok, nach Alexander Puschkins Novelle "Der Postmeister". Mit Maria Schell sah man ihn als Dr. Daniel Karentis in "Herr über Leben und Tod (1954), mit Hildegard Knef in dem Thriller "Geständnis unter vier Augen" (1954), mit Sonja Ziemann in "Mädchen ohne Grenzen" (1955). Mit Martine Carol stand er für Max Ophüls "Lola Montès" (1955) vor der Kamera, spielte mit Willy Birgel und Elisabeth Müller in dem Melodram "Rosen für Bettina" (1956) oder mit Lilli Palmer in "Anastasia – Die letzte Zarentochter" (1956).
Bis Ende der 50er Jahre folgten Filme wie "Wie ein Sturmwind" (1957), die Rolle des Grafen Vanin in "Skandal in Ischl" (1957) neben O. W. Fischer oder der Alexander Drubin in "Petersburger Nächte" (1958) zusammen mit Ewald Balser und Johanna von Koczian.
  
Auch nachdem in den 60er Jahren keine großen Unterhaltungsfilme mehr hergestellt wurden, blieb Desny ein vielbeschäftigter Schauspieler in erfolgreichen Kinoproduktionen. Georg Tressler besetzte in in seinem Melodram "Geständnis einer Sechzehnjährigen (1960/61), im Psycho-Krimi "Der Tod eines Doppelgängers" gestaltete er 1967 die Rolle eines homosexuellen Diamantenhändlers mit viel Sensibilität und als Rainer Werner Fassbinder den Versuch unternahm, das Deutschland der Adenauer-Ära nachzustellen ("Lola", 1981), bot sich Desny als zeiterfahrener und typischer Interpret an. Wie bereits zuvor blieb er auch in den Folgejahren ein begehrter Darsteller in zahlreichen Fernsehfilmen. 1980 wurde er mit dem "Ehrenpreis" für Verdienste um den deutschen Film ausgezeichnet.
Desny hatte zahlreiche Gastauftritte in beliebten Krimi-Reihen wie "Tatort", "Dem Täter auf der Spur", "Anwalt Abel" oder "Kriminalmuseum", übernahm die Rolle des Günther Lause in Fassbinders "Welt am Draht" (1973) oder stand für dessen Mehrteiler "Berlin Alexanderplatz" (1980) vor der Fernsehkamera. In der TV-Serie "Hellseher wider Willen" (1985) mimte er den Herrn Wieland, spielte unter anderem neben Inge Meysel in "Mrs. Harris fährt nach Moskau" (1987) und "Mrs. Harris und der Heiratsschwindler" (1991) oder mimte einmal mehr einen Baron in Bernd Böhlichs Komödie "E-m@il an Gott" (1999); letztmalig erlebte man Desny 2001 mit der Rolle des Herbert in der Komödie "Scheidung mit Hindernissen" auf dem Bildschirm.
 
Ivan Desny mit Brigitte Mira in Eine Dame mit Herz - Teils bitter, teils süß (1991)
Ivan Desny mit Brigitte Mira in
Eine Dame mit Herz – Teils bitter, teils süß (1991)
Szenenfoto mit freundlicher Genehmigung von www.ziegler-film.com
© Ziegler Film GmbH & Co. KG
 
Mit seinem internationalen Flair und seiner weltmännischen Eleganz spielte er im deutschen Film oft Ausländer, wobei ihm seine fremdländische Intonation der deutschen Sprache, die er beibehielt, zugute kam. Ob als zwielichtiger Industrieller, Arzt, Rittmeister, Diplomat oder Meisterjongleur, stets trat er mit der spöttischen Überlegenheit des Kosmopoliten auf. Als zuverlässiger Freund oder Liebhaber überzeugte sein gewinnender, manchmal überzogener Charme. Auch die Rollen des Gegenspielers und einsamen Konkurrenten verkörpert er überzeugend. Desny ist auch im reiferen Alter seinem Rollentypus verhaftet geblieben. Die angegrauten Schläfen haben das Distinguierte seines Aussehens noch verstärkt.
(Quelle: Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz)
Der beliebte Schauspieler Ivan Desney, der in vielen Nachrufen als "Charmeur alter Schule" bezeichnet wurde, starb am 13. April 2002 im Alter von 79 Jahren in einem Krankenhaus im Schweizerischen Ascona; seit Jahren war die Schweiz seine zweite Heimat geworden. Bereits seit mehreren Wochen war Desny wegen einer Lungenentzündung behandelt worden. Über 30 Jahre lang war das Ex-Mannequin bzw. die Schauspielerin Ghislaine Arsac seine Lebensgefährtin gewesen; 1985 hatte das Paar geheiratet, Ghislaine Arsac verstarb 1991.
 
 
Das Foto wurde mir freundlicherweise von dem Fotografen Edmond Frederik zur Verfügung gestellt.
© Edmond Frederik
Ivan Desny 02; Copyright Edmond Frederik

Textpassagen der Biografie von www.prisma-online.de
Siehe auch wikipedia.orgwww.deutsches-filmhaus.de, www.ivan-desny.gedenkbuch.info

  
Kinofilme (Auszug)
Filmografie bei der german.imdb.com
Bonheur en location (1948) Die ehrbare Dirne (1952)
La Signora senza camelie (1952) Dunja (1955)
Anastasia die letzte Zarentochter (1956) Frühstück mit dem Tod (1964)
Der Tod eines Doppelgängers (1967) Heißes Spiel für harte Männer/Rebus (1969)
Falsche Bewegung (1974) Die Ehe der Maria Braun (1978)
Lola (1981) Die wilden Fünfziger (1983)
Le Caviar rouge (1986), Motten im Licht (1987)
Guten Abend Herr Wallenberg (1990) Les Voleurs (1996)
Fernsehfilme (Auszug)
Tatort: Kressin und der tote Mann im Fleet (1971)

Kein Hafer für Nicolo (1972)

Welt am Draht (1974) Auf dem Tag genau (1986)
Hotel Paradies (Serie1989) Kupferfalle (1990)
Tatort: Gefährliche Freundschaft (1993) Sünde einer Nacht (1996)
Das Mädchen Rosemarie (1996) Tatort: Eulenberg (1997)
Der kleine Dachschaden (1998) Anwalt Abel Der Voyeur und das Mädchen (2000)
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