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Dieter Hildebrandt wurde am 23. Mai 1927 im niederschlesischen Bunzlau (heute
Boleslawiec, Polen) als Sohn eines Beamten
geboren. Er besuchte ein Internat, wurde mit 16 Jahren im 2. Weltkrieg
zunächst als Luftwaffenhelfer eingesetzt, musste zum Arbeitsdienst
und wurde schließlich als Soldat eingezogen; noch kurz vor Kriegsende geriet er in britische Gefangenschaft.
Mit Ende des 2. Weltkrieges flüchtete seine Familie aus Schlesien und ließ sich in der Oberpfalz
nieder, wo Hildebrandt 1947 in Weiden das Abitur nachholte. 1950 begann
er in München ein Studium der Literatur- und Theaterwissenschaften
sowie der Kunstgeschichte, orientierte sich während dieser Zeit schon
verstärkt in der Kulturszene der Stadt und entdeckte seine Liebe zur
"Schauspielerei". 1953 absolvierte er die Schauspieler-Genossenschaftsprüfung,
gründete 1955 mit Kommilitonen das Kabarett "Die Namenlosen"
und brach im gleichen Jahr sein Studium ab.
Ein Jahr später gehörte Hildebrandt zusammen mit Sammy Drechsel1)
(1925 1986) zu den
Gründern des politischen Kabaretts "Münchner Lach- und Schießgesellschaft"2)
und avancierte auf der Bühne in den folgenden Jahren als Texter und
Schauspieler zu einem der herausragendsten Gesellschaftskritiker
Deutschlands.
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der
Fotografin Virginia Shue
(Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
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Durch zahlreiche Fernsehübertragungen der legendären
Programme wurde er rasch einem breiten Publikum zum Begriff, erhielt ab
Anfang der 70er Jahre auch eigene Sendungen wie beispielsweise "Notizen aus der
Provinz"2), die er ab 1972 erfolgreich im ZDF moderierte und die vor allem
bei konservativen Politikern auf massive Kritik stieß und schließlich 1979 abgesetzt wurde.
Zwischen 1974 und 1982 trat er gemeinsam mit Werner Schneyder2) in Duo-Programmen auf,
die auch im Fernsehen zu sehen waren, so
mit "Talk täglich" (1974), "Wie abgerissen" (1977) und
"Ende der Spielzeit" (1981).
Ein noch größerer Publikumsmagnet wurde dann ab Juni 1980 seine
ARD-Sendung "Scheibenwischer"2), die er über zwei Jahrzehnte leitete
und von der er sich schließlich sehr zum Leidwesen der Zuschauer am 2. Oktober 2003 endgültig verabschiedete.
Als unerbittliches und ironisches "Gewissen der
Nation" übte Hildebrandt zusammen mit Kollegen wie Gerhard Polt2), Werner Schneyder
oder Bruno Jonas2) regelmäßig Kritik an der aktuellen Tagespolitik, die er mit
einer unbestechlichen Haltung, Satire, Ironie und optimistischem Humor zu kommentieren
pflegte. Seine Art der Kritik ist unverwechselbar geworden, mit seinem
Plauderton, vermeintlichen Versprechern und bedeutungsvoll abgebrochenen Sätzen
wurde in der deutschen Politszene zu einer Institution. Besonders aus der
bayerischen Landeshauptstadt hagelte es wiederholt Proteste gegen die Sendung, aus deren
Übertragung sich der Bayerische Rundfunk
am 22. Mai 1986 wegen "nicht gemeinschaftsverträglicher Elemente"
ausklinkte, die Sendung dadurch aber für viele Zuschauer noch interessanter werden
ließ.
Daneben übernahm Hildebrandt immer mal wieder Rollen für Film und Fernsehen,
so beispielsweise 1962 als " Meyer 2" in Georg Marischkas
bissiger TV-Komödie "Streichquartett" an der Seite seiner Kollegen
von der "Münchner Lach- und Schießgesellschaft". 1964 begeisterte
er als Dr. Murke in der Satire "Dr. Murkes gesammeltes Schweigen"
nach der Erzählung von Heinrich Böll sowie ein Jahr später in "Dr. Murkes gesammelte Nachrufe";
in Helmut Dietls legendärem Mehrteiler "Kir Royal"2) mimte er 1986 den
Fotografen Herbie Fried,
agierte 1991 als Kfz-Meister in dem Kinofilm "Go Trabi Go"2)
oder war
ein Jahr später als Dr. von Wüst in Bruno Jonas' hintergründiger
Gesellschaftssatire und ersten abendfüllendem Spielfilm "Wir Enkelkinder"
zu sehen. 1996 wirkte er in der Satire über Ausländerfeindlichkeit "Willkommen in Kronstadt"
mit, spielte 1998 den Herr Fuchs in Udo Wachtveitls schwarzen Krimi "Silberdisteln"
an der Seite von Harald Juhnke und Heinz Schubert. 2001 stand er als "Alfred"
zusammen mit Werner Schneyder in Neil Simons Boulevard-Komödie
"Sonny Boys" sowohl auf der Bühne als auch vor der
Fernsehkamera.
Foto: Dieter Hildebrandt (Meyer II) mit Hans Jürgen Diedrich (Meyer I)
in der Fernsehgroteske "Streichquartett" (1962)
Autor: Szöke Szakall, Regie: Georg Marischka
Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services
mit weiteren Infos
zu dem Fernsehspiel; © SWR
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Am 18. April 2011 starteten laut Presseberichten die Dreharbeiten zu
Helmut Dietls "Kir Royal"-Fortsetzung für das Kino unter
dem Titel "Zettl"2), neben Hauptdarsteller Michael "Bully" Herbig
als Reporter Max Zettl mimt Dieter Hildebrand erneut den Fotografen
Herbie Fried. Von der alten "Kir Royal"-Crew ist
ebenfalls Senta Berger als Volksmusikstars Mona Mödlinger mit
von der Partie, Harald Schmidt zeigt sich als bayerischer Ministerpräsident
und BR-Moderator Christoph Süß als Gewerkschaftsboss. Weitere prominente Namen wie Karoline Herfurth, Ulrich Tukur,
Dagmar Manzel, Sunnyi Melles, Hanns Zischler und Gert Voss
stehen auf der Besetzungsliste, Götz George hat
als "Kanzler Ebert" eine
Gastrolle übernommen; Kinostart war am 2. Februar 2012 → wwws.warnerbros.de.
Während seiner langen und erfolgreichen Karriere erhielt Hildebrandt
unzählige Auszeichnungen; so beispielsweise 1977 den "Deutschen Kleinkunstpreis"2),
1986 stellvertretend für das gesamte
Kabarett-Team des "Scheibenwischer" den "Grimme-Preis"2)
in Gold und im Sommer 2002 ehrte man ihn mit dem dem bayerischen
Kabarettpreis "Goldener Spaten". Weitere Preise sind etwa der "Goldene Gong"2) für die Kabarettsendung
"Scheibenwischer" (2003), ein vierter "Grimme-Preis" (2004) für sein Lebenswerk
oder der "Deutsche Kleinkunstpreis" (2008, Ehrenpreis des Landes Rheinland-Pfalz), ebenfalls für sein Lebenswerk.
2010 folgte der "Kulturelle Ehrenpreis der Landeshauptstadt München"2),
2011 mit dem Kleinkunstpreis "Salzburger Stier"2) eine neuerliche
"Lebenswerk"-Ehrung → Liste der Auszeichnungen bei Wikipedia.
Als Schriftsteller ist Hildebrandt ebenfalls überaus erfolgreich,
siehe auch eine Auswahl seiner Werke
bei Wikipedia. Ein Beststeller wurde
die autobiographische Trilogie, die erstmals 1986 unter dem Titel "Was bleibt mir übrig"
erschien, 1992 mit "Denkzettel" sowie 1997 mit "Gedächtnis auf Rädern"
fortgeführt wurde. 2001 brachte er sein Buch "Vater unser gleich nach der Werbung"
auf den Markt, in dem er satirisch nicht nur den deutschen Fernsehalltag
betrachtet: Dieter Hildebrandt hat sich gemeinsam mit seiner Frau
Renate in einen Senioren-Container begeben, wo sie vor den Kameras einer
ihnen unbekannten Produktionsfirma ein fernsehseriengemäßes Leben führen
müssen. Dieser Zwang lässt in ihnen die Neigung wachsen, satirische
Betrachtungen anzustellen: über den deutschen Fernsehalltag und die neue
Spaßkultur, über verschwundene Leuna-Akten, den allwissenden Günther Jauch,
die Schwarzgeldkonten der Herren Koch und Co., die Love-Parade und
andere Schweinereien. Und eine Frage lässt den Autor nicht ruhen: Was
ist Reality und was Reality-TV?
(Quelle: www.dieterhildebrandt.com)
Anlässlich seines 80. Geburtstages am 23. Mai 2007 erschien sein neues Buch "Nie wieder achtzig!".
In den Medien wurde der Jubilar ausführlich gewürdigt, der bayerische Kulturstaatsminister Neumann
bezeichnete Hildebrandt in einem Glückwunschschreiben als "politischen Kabarettisten von
Rang", der "bei aller Lust an der Provokation stets mit Stil und Überzeugungen"
aufgetreten sei. "Sie offenbaren politische, gesellschaftliche und menschliche Widersprüchlichkeiten,
Sie provozieren, amüsieren und zuweilen verärgern Sie auch, wie es sich für einen politischen Kabarettisten von Rang gehört."
Neumann betonte, "dass hinter dem Humor und der Freude am kabarettistischen Spiel stets
ein aufgeklärter Humanismus und ein großes Interesse am Menschen spürbar
sind" (
) "Dafür möchte ich Ihnen heute danken
und hoffe, dass uns Ihre Präsenz auf der Bühne noch lange erhalten
bleibt."
Foto: Dieter Hildebrandt auf der lit.Cologne 2007
Quelle: Wikipedia
bzw. Wikimedia Commons;
Urheberin: Elke Wetzig (Wikipedia-Benutzer Elya); Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Lizenz zur Veröffentlichung siehe hier
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Die Bühne hält den inzwischen über 80-Jährigen offensichtlich jung, mit
Lesungen und seinem Programm "Vorsicht Klassik" erfreut er nach wie
vor das Publikum. Auch für sein aktuelles, mehr als zweistündiges
Solo-Programm "Ich kann doch auch nichts dafür", das er er erstmals im
August 2010 in der "Münchner Lach- und Schießgesellschaft"
präsentierte, wurde der Satiriker umjubelt. Bis Ende Oktober sind alle Auftritte von Hildebrandt in der
"Lach- und Schießgesellschaft" bereits ausverkauft; mehr bei www.lachundschiess.de.
Nach dem Krebstod seiner ersten Frau Irene Mendler im August 1985, ist der dienstälteste und ausdauerndste deutsche
Kabarettist Dieter Hildebrandt seit 1992 mit der Schauspielerin und Kabarett-Kollegin Renate Küster2)
verheiratet; das Paar lebt in München. Aus der Ehe mit Irene
Mendler, die Hildebrandt 1956 geheiratet hatte, stammen die beiden Töchter Ursula und Jutta.
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