Johnny Weissmüller
Johnny Weissmüller (auch Johnny Weissmueller) wurde am 2. Juni 1904 als Peter János Weiszmüller im damals ungarischen-österreichischen Freidorf (heute ein Stadtteil von Temeschburg/Timisoara in Rumänien) geboren. 1905 (oder 1907) emigrierten seine Eltern, Banater Schwaben, in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft in die USA und ließen sich in Chicago nieder, wo der kleine János aufwuchs und später die "University of Chicago" besuchte. Da er als Kind oft krank war, begann er auf Anraten eines Arztes mit der Schwimmerei und entwickelte sich mit den Jahren zu einem athletischen jungen Mann. Bei den Olympischen Spielen 1924 in Paris und 1928 in Amsterdam trat er als Schwimmer an und holte insgesamt fünf Goldmedaillen für Amerika, außerdem stellte er im Verlaufe seiner sportlichen Laufbahn ungefähr 67 Welt- und 52 nationale Rekorde auf und war damit der beste Schwimmer der 20er Jahre; er war der Erste, der die 100 Meter Freistil unter einer Minute schwamm, zu Beginn der zwanziger Jahre entwickelte er seinen eigenen Schwimmstil, den sogenannten "American Crawl".
  
Zum Film kam Johnny Weissmüller wohl wegen seines gutaussehenden, muskulösen Körpers, MGM man bot ihm die Rolle des "Tarzan" an und über Nacht wurde Weissmüller mit dem ersten Streifen "Tarzan the Ape Man"1) (1932, Tarzan der Affenmensch) auch international berühmt. Elf weitere Filme dieses Genres sollten bis Ende der 40er Jahre folgen:
  • "Tarzan and His Mate"2) (1934, Tarzans Vergeltung),
    Von einem großen Eingeborenentross begleitet, suchen zwei Männer nach Elfenbein und zugleich nach der Tochter eines im Busch verschollenen Jägers, die als Tarzans Geliebte freiwillig bei ihrem Beschützer geblieben ist. Es beginnen mörderische Kämpfe mit Kannibalen und Gorillas. Tarzan wird angeschossen, die Urwaldtiere retten ihn. Auf dem Rückmarsch wird die Expedition von Eingeborenen und Löwen elendiglich dezimiert. Dieses "Tarzan"-Abenteuer unterscheidet sich vom Gros der Serie durch die Realistik der rasant gefilmten Tierkampfszenen und Massaker sowie durch die ganz unzeitgemäße erotische Deutlichkeit.
    (Filmbeschreibung von www.kabel1.de)
  • "Tarzan Escapes!"2) (1936, Tarzans Rache),
    Bruder und Schwester suchen ihre Cousine, Tarzans Frau, im Dschungel, um sie zur Rückkehr nach London zu bewegen. Mit ihnen gelangen verräterische Profitjäger in das Gebiet. Tarzan bestraft sie für Intrigen und Verbrechen übermäßig grausam. Herkömmliches Dschungelabenteuer mit einigen schönen einkopierten Originalaufnahmen aus der Tierwelt.
    (Filmbeschreibung von www.kabel1.de)
  • "Tarzan Finds a Son!" (1939, Tarzan und sein Sohn),
    Dschungel-Held Tarzan und seine Frau Jane finden in den Trümmern eines abgestürzten Flugzeugs ein Baby und ziehen es auf. Schließlich setzen sie sich auch gegen alle Intrigen der geldgierigen Verwandtschaft durch, dürfen den Jungen behalten und bleiben als kleine Familie gemeinsam im Dschungel. Naiv unterhaltender Abenteuerfilm mit rührseligen Einlagen, eindrucksvollen Tieraufnahmen und einer eher belustigend gezeichneten Urwald-Familien-Idylle.
    (Filmbeschreibung von www.kabel1.de)
  • "Tarzan's Secret Treasure"2) (1941, Tarzans geheimer Schatz),
    Tarzan kämpft gegen verbrecherische Goldsucher und einen feindseligen Eingeborenenstamm, die seine Frau und seinen Adoptivsohn entführt haben. Naives Abenteuer der "Tarzan"-Serie mit der üblichen Trennung von Gut und Böse. Gewürzt mit den bekannten Urwald-Späßen und einigen Tierszenen, bietet der Film anspruchslose Unterhaltung.
    (Filmbeschreibung von www.kabel1.de)
  • "Tarzan's New York Adventure" (1942, Tarzans Abenteuer in New York),
    Tierfänger rauben Tarzans Sohn, um ihn in New York als Zirkusattraktion vorzustellen. Tarzan und seine Frau Jane brechen auf, um den Jungen zurückzuholen. Im modernen "Großstadt-Dschungel" gerät der Urwaldheld in eine ihm unverständliche Zivilisation, kann jedoch mit Hilfe von Zirkuselefanten das Kind befreien und in den Dschungel zurückkehren. Trotz des reizvollen Kontrastes zwischen Großstadt- und Dschungel-Existenz erreicht der konventionelle Abenteuerfilm nie mehr als Serienformat.
    (Filmbeschreibung von www.kabel1.de)
  • "Tarzan Triumphs" (1943, Tarzan und die Nazis),
    Auf dem Höhepunkt der Anti-Hitler-Allianz setzte sich das amerikanische State Departement für die Produktion eines propagandistischen Kinofilms mit einem Serienhelden ein. So entstand "Tarzan und die Nazis" unter der Regie des aus Deutschland emigrierten Wilhelm Thiele. Die naive Geschichte spielt im Zweiten Weltkrieg: Tarzan will nichts mit dem Krieg zu tun haben, wird aber in seinen Strudel gerissen, als deutsche Fallschirmspringer die Urwaldstadt Palandria besetzen. Ein filmhistorisches Kuriosum mit zum Teil umwerfend aber unfreiwillig komischen Szenen.
    (Filmbeschreibung von www.kabel1.de)
  • "Tarzan's Desert Mystery" (1943, Tarzan, Bezwinger der Wüste),
    Dschungelheld Tarzan bewahrt eine unschuldige Zirkusartistin vor dem Galgen und rettet arabische Wüstensöhne vor ausländischen Schiebern. Nach gängigen Mustern inszenierte "Tarzaniade", die sich selbst nicht so ganz ernst zunehmen scheint und deshalb von erheiternder Spannung ist.
    (Filmbeschreibung von www.kabel1.de)
  • "Tarzan and the Amazons" (1945, Tarzan und die Amazonen),
    Dschungel-Held Tarzan kommt gerade noch zurecht, um seinen kleinen Sohn vor der Rache eines Amazonen-Staates namens Palmyra zu bewahren und um goldgierige Übeltäter einem grausamen Tod zu übergeben. Standard-Abenteuer in Serienmanier, das allenfalls durch die Einbeziehung des kleinen Jungen Emotionen weckt.
    (Filmbeschreibung von www.kabel1.de)
  • "Tarzan and the Leopard Woman" (1946, Tarzan und das Leopardenweib),
    In Leopardenfellen unternehmen die Krieger eines Negerstamms mörderische Überfälle auf die Karawanen der Weißen, um deren Herrschaft abzuschütteln – bis sich Tarzan der Sache annimmt. Fantasiearmes Serien-Produkt, routiniert, aber allenfalls für unbedarfte Fans.
    (Filmbeschreibung von www.kabel1.de)
  • "Tarzan and the Huntress" (1947, Tarzan wird gejagt)
    Nach einigen Abenteuern kann Tarzan mit Hilfe einer Elefantenherde die arroganten weißen Jäger aus dem Dschungel vertreiben. Gut fotografiertes Abenteuermärchen mit prachtvollen Kulissen und interessanten Tieraufnahmen.
    (Filmbeschreibung von www.kabel1.de)
    und
  • "Tarzan and the Mermaids" (1948, Tarzan in Gefahr)
    Dschungel-Held Tarzan rettet die naiven Einwohner eines afrikanischen Perlfischerdorfes vor den Intrigen eines weißen Schurken, der sie in der Maske eines Gottes ausbeutet. Naives Urwald-Abenteuer nach den bekannten Mustern der Gattung.
    (Filmbeschreibung von www.kabel1.de)

    1) Der Link führt zur Filmbeschreibung von  www.prisma-online.de
    2) Der Link führt zur Filmbeschreibung von Dirk Jaspers Filmlexikon
Anfangs führte Richard Thorpe Regie, in den ersten sechs Filmen war Maureen O'Sullivan als Dschungel-Gefährtin Jane an Tarzans Seite, in den letzten Filmen übernahm Brenda Joyce diese Rolle.
Über Johnny Weissmüllers schauspielerische Fähigkeiten lässt sich streiten, seine Dialoge waren minimal, doch im knappen Lendenschurz avancierte er zum "Tarzan" schlechthin und ist es bis heute geblieben, sein berühmter Schrei "Aaaeeeooo!" schrieb Filmgeschichte; allein in seinem ersten Film soll er den weltberühmten Urschrei 69 Mal ausgestoßen haben, der Ausspruch "Ich, Tarzan, du Jane" wurde legendär. Seine Nachfolger Lex Barker und Gordon Scott konnten zwar auch an die Erfolge anknüpfen, doch spricht man heute von Tarzan-Filmen, denkt man zuerst an Weissmüller.
  
Nach den Tarzan-Erfolgen wechselte Weissmüller zu einer neuen Film-Reihe und tauchte als "Jungle Jim" ab 1948 in weiteren sechzehn ähnlich gestrickten Streifen wie "Mark of the Gorilla" (1950), "Jungle Jim in Pygmy Island" (1950) oder "Valley of Head Hunters" (1953) bis Mitte der 50er Jahre auf der Leinwand auf; zwischen 1955 und 1956 kamen noch 23 Folgen einer TV-Serie von "Jungle Jim" hinzu, danach war seine Laufbahn als Schauspieler beendet. Während seiner Karriere als Filmschauspieler stand Weissmüller nur für zwei "normale" Filme vor der Kamera: 1943 spielte er sich selbst in "Stage Door Canteen", 1946 erlebte man ihn in dem Abenteuerstreifen "Swamp Fire" zusammen mit Buster Crabbe (1908 – 1983), dem Schwimm-Olympiasieger von 1928 und 1932, der sich ebenfalls zum Schauspieler gemausert hatte und später mit der Titelrolle in der Science-Fiction-Serie "Flash Gordon " populär wurde. Buster Crabbe galt als Weissmüllers Konkurrent, er hatte es nie so recht verwinden können, dass nicht er die Rolle des "Tarzan" erhalten hatte.
  
Johnny Weissmüller war als Schauspieler zu einem reichen Mann geworden, doch da er seinen Managern und Finanzberatern zu sehr vertraute, verlor er einen großen Teil seines Vermögens. Bis zu seinem Tod erholte er sich von diesen finanziellen Rückschlägen nicht mehr.
Johnny Weissmüller verstarb nach langer Krankheit und mehreren Schlaganfällen am 20. Januar 1984 mit 79 Jahren in Acapulco (Mexico); auf seinem Grabstein stehen nur die drei Worte "Johnny Weissmüller Tarzan"; auch auf einer Gedenktafel hinter dem ehemaligen Wohnhaus des Schauspielers in Acapulco finden sich diese Worte. (Das Bild wurde mir freundlicherweise von Stefan Habke zur Verfügung gestellt.)
Gedenktafel von Johnny Weissmüller

Johnny Weissmüller war sechs Mal verheiratet: Seine erste Ehe mit Camilla Louiee scheiterte ebenso wie seine zweite mit Bobbe Arnst (1903 – 1980), die er 1931 geehelicht hatte; nur ein Jahr später wurde die Verbindung geschieden. 1933 heiratete Weissmüller die mexikanische Schauspielerin Lupe Vélez (1910 – 1944) und blieb sechs skandalträchtige Jahre mit seiner dritten Frau zusammen. Nach der Scheidung 1939 heiratete er 1940 die vierzehn Jahre jüngere Beryel Scott Ginter, die ihm die Kinder John Jr., Wendy Anne und Heidi Elizabeth schenkte. 1948 ging auch diese Ehe in die Brüche, im gleichen Jahr ehelichte Weissmüller die junge Golferin Allene Gates, die bis 1962 an seiner Seite war; im gleichen Jahr verunglückte Weissmüllers Tochter Heidi bei einem Autounfall tödlich.
Seine letzte Ehefrau war bis zu seinem Tod die gebürtige Berlinerin Maria Brock, die am 7. März 2004 in einem Krankenhaus in Acapulco im Alter von 83 Jahren verstarb; sie fand ihre letzte Ruhestätte neben ihrem Mann.
  
Um Johnny Weissmüller ranken sich zahlreiche Mythen und Legenden; in fast allen Biographien finden sich unterschiedliche Informationen. Er selber hat dazu beigetragen, seine Herkunft zu verschleiern und die Umstände einer unglücklichen Jugend in einer Immigrantenfamilie zu verschweigen. Lange verbreitete er, sein Geburtsort sei Windber (Pennsylvania) und sein offizieller Vorname "John Peter", wohl auch deshalb, weil nur amerikanische Bürger an den Olympischen Spielen teilnehmen durften.
  
Von Reiner Boller & Julian Lesser erschien das Buch "Tarzan und Hollywood: Von Johnny Weissmüller bis Gordon Scott – Die klassischen Tarzan-Filme von Produzent Sol Lesser" mit zahlreichen Abbildungen. Hollywood-Filmpionier Sol Lesser hatte maßgeblichen Anteil an der Erfolgsgeschichte von Tarzan und schickte neben Johnny Weissmüller auch Buster Crabbe, Glenn Morris, Lex Barker sowie Gordon Scott im Lendenschurz auf die Kinoleinwand. Lesser prägte nachhaltig die Gründerjahre Hollywoods. Viele heute noch im Kinogeschäft gültige Maßstäbe stammen von ihm. Als einer der ersten unabhängigen Filmproduzenten beeinflusste er die "goldene" Hollywoodzeit wie nur wenige nach ihm, erwarb sich den Respekt von Charlie Chaplin und trug entscheidend dazu bei, dass Walt Disney bei United Artists Anfang der dreißiger Jahre die Kinos erobern konnte. (Zitat Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf).
Johnny Weissmüller selbst hatte 1967 in Zusammenarbeit mit der Schauspielerin und Schriftstellerin Narda Onyx eine offizielle Biografie unter dem Titel "Water, World and Weissmüller" herausgegeben, Sohn Johnny Weissmüller jr. veröffentlichte 2002 die Biografie "Tarzan. My Father", mit dem auch einen Einblick in  das Privatleben gewährt wird. Es erzählt von Weissmüllers frühen Jahren, seinen olympischen Triumphen, seinen gescheiterten Ehen, dem Leben in Hollywood als "Tarzan"-Darsteller sowie die spätere Karriere als "Jungle Jim". Es ist das unsentimentale Portrait eines Mannes, der Millionen von Filmfans begeisterte, angereichert mit vielen Interviews von Freunden des Stars sowie zahlreichen Privatfotos. Von David Fury und Hank Brown stammt die Biografie "Johnny Weissmuller: Twice the Hero", ebenfalls mit zahlreichen Fotos aus Weissmüllers Schwimm- und Filmkarriere.
 

Siehe auch die Kurzbiografie von www.prisma-online.de sowie die Geschichte der "Tarzan"-Filme.
Weitere Infos bei wikipedia.org; german.imdb.com
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