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Peter Sodann wurde am 1. Juni 1936 als Sohn eines Stanzers und einer Landarbeiterin
in Meißen geboren, wuchs in Weinböhla bei Dresden auf. Mit 15 Jahren absolvierte
eine Lehre als Werkzeugmacher, holte dann später sein
Abitur nach und studierte zwischen 1954 und 1957 an der
"Arbeiter und Bauernfakultät". Bevor er zur Schauspielerei wechselte und 1959 an der Theaterhochschule
Leipzig ein dementsprechendes Studium begann, hatte er in Leipzig ein
Jurastudium begonnen. Noch während seiner Ausbildung zum Schauspieler
saß er für neun Monate wegen angeblich staatsfeindlicher Texte
des Studentenkabaretts "Rat der Spötter", welches er auch
leitete, im Gefängnis und wurde der Hochschule verwiesen; das
Kabarett wurde 1961 aufgelöst. 2002 veröffentlichte Ernst Röhl, der
zu den Inhaftierten jener Tage gehörte, das Buch "Rat der Spötter. Das Kabarett des Peter Sodann"
und erinnert an die damaligen Ereignisse.
Das Foto (auch Hintergrund) wurde mir freundlicherweise von
dem Fotografen Edmond Frederik zur Verfügung gestellt.
© Edmond Frederik
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Nach seiner Haftentlassung machte Sodann eine Ausbildung zum
Spitzendreher und setzte dann das Schauspielstudium fort. 1964 erhielt er bei
dem von Bertolt Brecht gegründeten und dessen
Frau Helene Weigel geleiteten "Berliner Ensemble" ein
erstes Engagement und stand dort u. . als "Dullfeet" in Bertolt Brechts
"Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui" auf der Bühne;
weitere Engagements führten den Schauspieler nach Erfurt, Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz)
und Magdeburg, wo er 1975 zum Schauspieldirektor ernannt wurde; seit Beginn der
80er Jahre ist Sodann "Bauherr" und Intendant des "neuen theaters" in
Halle, welches inzwischen aufgrund seiner aktiven Mitarbeit mit einer
dem Theater angeschlossenen Kneipe, einem Literatur-Café, einer Galerie
sowie einer Bibliothek zu einem
kulturellen Mittelpunk der Stadt geworden ist. Unter Sodanns Leitung und dank seines unermüdlichen Engagements wurde
der ehemals marode Gebäudekomplex, welches einst ein Kino beherbergt hatte, in den letzten 20 Jahren
zu einem der bedeutendsten ostdeutschen
Kulturzentren. Peter Sodann macht Stadttheater par excellence - immer mit moralischem Impetus,
"Zeigefingertheater" sagen seine Kritiker. Doch der Erfolg, d. h. die Auslastung, gibt ihm Recht. In Erinnerung bleiben Inszenierungen wie die
"Richtstatt" nach Aitmatow oder der "Große Frieden" nach Volker Braun. Das Repertoire reicht zuletzt von leichter Unterhaltung bis zu Klassik und zeitgenössischer Dramatik mit Stücken wie
"Die Wannseekonferenz" und "Furtwängler". Bestens läuft lange Zeit die
"Wende-Revue". Doch die Erfolgs- und Liebesgeschichte endet ein Jahr vor Peter Sodanns 70. Geburtstag und seinem 25-jährigem Jubiläum am
"neuen theater" unschön. Die Stadt verlängert im Frühjahr 2005 seinen Vertrag als Intendant nicht mehr.
(Quelle: www.mdr.de)
Während seiner Laufbahn als Theaterschauspieler trat Sodann neben
Brecht-Stücken in Klassikern wie Goethes "Egmont" oder
Shakespeares "Troilus und Cressida", "Ein Wintermärchen"
und "Heinrich IV." auf; er beeindruckte beispielsweise als
"Franz" in Schillers "Die Räuber", spielte
in "Raub der Sabinerinnen" oder in Dürrenmatts "Die Physiker",
um nur einige der vielen Stücke zu nennen. Schon früh übernahm
Sodann auch Regiearbeiten und machte sich mit Inszenierungen wie der
Aufführung von Alfred Matusche "Van Gogh", in der
auch die Titelrolle spielte, einen vielbeachteten Namen. Zu seinen
weiteren Arbeiten als Regisseur zählen u. a. in Magdeburg Lessings
"Nathan der Weise" und Molnars "Liliom" sowie "Kabale und Liebe" in Moskau.
Schon in den 70er Jahren begann Sodanns umfangreiche Arbeit für
Film- und Fernsehen. So sah man ihn beispielsweise 1985/86 in der
Filmbiografie "Ernst Thälmann" mit der Rolle des Kommunisten
John Schehr und oft spielte er später in Gegenwartsfilmen väterliche
Gestalten, deren Problembewusstsein Vertrauen ausstrahlt.
Bereits ein Jahr nach der "Wende" erlangte er mit seiner Rolle des
agilen, aufrichtig-kauzigen Hauptkommissars Bruno Ehrlicher in den "Tatort"-Folgen des MDR aus Dresden
(seit 2000 aus Leipzig) bundesweit ungeheure Popularität. Der erste Tatort
"Ein Fall für Ehrlicher" mit Sodann als ostdeutschem Ermittler
wurde am 19. Januar 1992 ausgestrahlt, seither spielt
er mit überzeugender Mimik, Ausdruckskraft und Humor
erfolgreich diese Figur und löst gemeinsam mit Kommissar Kain alias
Bernd Michael Lade so manchen spannenden Fall. Dem Namen seiner Figur hat Sodann
stets Ehre gemacht: Er war ein ehrlicher Kommissar, ein Mensch, der sich nicht versteckte.
Sein Bruno Ehrlicher machte nicht immer gute Miene zum bösen Spiel.
Wenn Ehrlicher genervt war, dann war er brummig, wenn es ihm nicht gut ging,
dann bekam das seine Umwelt durchaus zu spüren. Insofern steckt in Bruno Ehrlicher eine Menge Peter Sodann.
(Quelle: www.welt.de)
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Szenenfoto aus dem Tatort "Falsches Alibi"
(1994)
mit freundlicher Genehmigung von www.ziegler-film.com
© Ziegler Film GmbH & Co. KG |
Ende Dezember 2006 ging durch die Presse, dass Bruno Ehrlicher nach 15 Jahren
in den Ruhestand gehe bzw. der Vertrag zwischen dem Schauspieler und dem MDR
nicht verlängert werde. Nach eigenen Aussagen hätte Sodann die Figur des
Ehrlicher, die er Jahre lang maßgeblich geprägt hat, gerne noch weiter
gespielt, in einem Interview meinte er später "Ein bisschen ist auch
eine Last weggefallen. Jetzt geh' ich eben neue Wege.". Im Frühjahr 2007 stand Sodann für
die 45. MDR-Tatort-Folge "Die Falle" vor
der Kamera, die am am 11. November 2007 ausgestrahlt wurde ein
bisschen Wehmut war schon mit dabei, als Hauptkommissar Bruno Ehrlicher
gemeinsam mit Hauptkommissar Kain (Bernd Michael Lade) seinen letzten Fall
löste: mit den beiden Protagonisten verabschiedete sich auch Walter Nickel,
der den Kriminaltechniker Walter spielte. Hier einige sehenswerte "Tatort"-Fälle
des Duos Ehrlicher/Kain (alle Links führen zu prisma-online.de):
"Fluch
des Bernsteinzimmers" (1999),
"Verhängnisvolle
Begierde" (2001),
"Rückspiel" (2002),
"Außer
Kontrolle" (2003),
"Teufelskreis" (2004),
"Blutschrift" (2006),
"Die
Anwältin" (2007).
Als Nachfolgerin
von "Bruno Ehrlicher" kam Schauspielerin Simone Thomalla als
Ermittlerin Eva Saalfeld auf den Bildschirm, gemeinsam mit Martin Wuttke als Assistent
Andreas Keppler geht sie nun in Leipzig auf Verbrecherjagd.
(siehe auch www.tatort-fundus.de)
Doch Peter Sodann war nicht nur "Ehrlicher"; in
vielen Fernsehstücken begeisterte und begeistert der Schauspieler sein
Publikum. So spielte er beispielsweise 1995 in Frank Beyers Polit-Mehrteiler
"Nikolaikirche"1) einen General für Staatssicherheit, in dem
Mehrteiler "Sardsch" war er 1997 der Lornez und in Hans-Christoph Blumbergs
Doku-Drama "Deutschlandspiel"1) verkörperte er 2000 den
Erich Mielke1),
Minister für Staatssicherheit der ehemaligen DDR.
2001 sah man Sodann als Pfarrer Nulsch in in Wolfgang C. Panzers
vierteiligen Chronik "Liebesau die andere Heimat", in
der die Geschichte der DDR aus dem Blickwinkel eines fiktiven Dorfes in
der ostdeutschen Provinz zwischen 1953 und 1989 erzählt wird. In
den letzten Jahren übernahm er die Rolle des Rentners und Familienvaters Alfred Mannschatz in
"Tage des Sturms"1) (2003), einem ehemaligen Vorkämpfers der kommunistischen Idee,
der in Bitterfeld die Stunden vor dem 17. Juni erlebt. In dem aufwändig inszenierten und liebevoll ausgestatteten Melodram
"Die Frau des Heimkehrers" (2006), der bewegenden Geschichte einer Ehefrau und Mutter
(Christine Neubauer), die nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst
vergeblich auf die Rückkehr ihres Mannes (Timothy Peach) hofft, mimte
Sodann den Vater der Protagonistin: Julius Kantor ist
Ortsgruppenleiter und glaubt im Gegensatz zu seiner besonnenen Frau Magdalena
(Eva-Maria Hagen) bis zum bitteren Ende noch immer an den Sieg. Erst
als die Amerikaner einmarschieren, kommt er zur Besinnung
Zu Sodanns jüngeren Fernsehauftritten nach dem Ende seiner Kommissar-Karriere
zählt seit Folge 482 die Rolle des Schulamtsleiters Dr. Rudolf Bräuning
in der Neuauflage der Kinder- und Jugendserie "Schloss Einstein"1),
die Seit Anfang Januar 2008 auf "KI.KA" gezeigt wird.
Aktuell steht Sodann für den von Berengar Pfahl inszenierte Kinofilm "Die Männer der Emden" vor der Kamera
und verkörpert den Generaloberst von Leutenburg. Erzählt wird die
abenteuerliche Geschichte des adeligen, deutschen Marineoffizier Karl von Overbeck
(Ken Duken), der sich im ersten Weltkrieg nach dem Untergang seines Schiffes
"S.M.S. Emden" mit anderen Überlebenden nach Berlin durchschlägt:
Der etwa 110 Minuten lange Film erzählt anhand eines historischen
Vorbildes von der abenteuerlichen Flucht der Besatzung des
Marine-Kreuzers "Emden", der 1914 während des Ersten
Weltkrieges im Indischen Ozean von einem australischen Zerstörer
versenkt wird. Es beginnt eine Odyssee der 52 Männer der
"Emden", die sich zum Zeitpunkt des Angriffs auf einer nahe
gelegenen Insel aufgehalten und von dort die Zerstörung ihres
Schiffes verfolgt hatten. Statt sich in die Kriegsgefangenschaft zu
begeben, macht sich die Mannschaft auf den 13.000 Kilometer weiten
Heimweg nach Hause. (
) Der Film soll 2012 auf der Berlinale gezeigt
werden und dann in die Kinos kommen. Als zweiteilige Fernsehfassung
wird er im Herbst 2012 in der ARD zu sehen sein. (Quelle: www.citynews-koeln.de;
siehe auch www.berengar-pfahl-film.de)
Im Verlaufe seiner langen und erfolgreichen Karriere als Schauspieler und Regisseur
wurde Sodann mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt: So erhielt er
beispielsweise 1999 den Preis des Verbandes der deutschen Kritiker für seine
"Kulturinsel" in Halle, 2001 wurde ihm anlässlich seines 65. Geburtstages das
Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen, am 23. Februar 2006
ernannte ihn die Stadt Halle zum Ehrenbürger. Für seine überzeugende Darstellung des Kommissar
Ehrlicher verlieh ihm die sächsische Polizei 1996 und Sachsens Polizeigewerkschaft 1999
jeweils den Titel "Ehrenkommissar".
Mitte März 2008 erschienen im Buchverlag Ullstein die Erinnerungen
des Künstlers unter dem Titel "Keine halben Sachen", in
denen er den Leser zum ersten Mal an Höhen und Tiefen seines Lebens
teilhaben lässt. Seine Autobiographie ist ein
authentisches Stück deutsch-deutscher Zeitgeschichte. Die
Erinnerungen eines Mannes, der immer dem deutschen Osten verbunden
geblieben ist. (
) Er erzählt von seiner proletarischen Herkunft,
darüber, wie er als Lehrling den 17. Juni 1953 erlebte oder wie er in den achtziger
Jahren mit ein paar Schauspielern ein baufälliges Haus in Halle instand
setzte und sich sein eigenes Theater schuf eine Kulturstätte, die sich auch
nach der Wende trotz relativ bescheidenen Etats größter Beliebtheit erfreute.
Die Erinnerungen eines Mannes, der dem Osten immer treu geblieben ist.
(Quelle: www.ullsteinbuchverlage.de).
Seit Frühjahr 2008 befindet sich Sodann mit seinem Buch auf einer
Lesereise quer durch Deutschland.
Dass Peter Sodann ein politisch denkender Mensch ist bzw. den Linken nahe
steht, ist seit vielen Jahren bekannt. Am 4. Juli 2005 hatte Sodann
angekündigt, als parteiloser Spitzenkandidat auf einer offenen Liste der PDS, die später in der Partei
"Die Linke." aufgegangen ist, in Sachsen zur Bundestagswahl 2005 zur Verfügung zu stehen.
Zwei Tage später zog er seine Ankündigung zurück, da eine Kandidatur und ggf. ein späteres Mandat aufgrund
der Chancengleichheit gegenüber allen Bewerbern nicht mit einer medialen Präsenz vereinbar seien.
Schauspieler und andere Mitarbeiter, die zu einer Wahl antreten, dürfen nach internen Richtlinien der ARD
sechs Wochen vor der Wahl als Bewerber um ein Mandat oder als Mandatsträger nicht im Fernseh- oder Hörfunkprogramm
als gestaltende Personen (Moderatoren usw.) der ARD auftreten.
Am 14. Oktober 2008 gab "Die Linke." bekannt, dass Peter Sodann im Mai 2009 als Kandidat
der Partei für das Amt des Bundespräsidenten antreten werde. (
) Peter Sodann
erhielt am 23. Mai 2009 in der Bundesversammlung
zur Wahl des Bundespräsidenten 91 Stimmen (zwei Stimmen mehr als Die Linke Delegierte hatte).
Amtsinhaber Köhler gewann die Wahl im ersten Wahlgang.2)
Neben seinem politischen Engagement setzt sich Sodann für soziale Belange
ein, ist seit August 2005 Botschafter des Kinderhospizes Mitteldeutschland und
unterstützt todkranke Kinder und deren Familien.
2006 übernahm er den Vorsitz des neu gegründeten "Silberbüchse e.V.", dem Förderverein des Karl-May-Hauses in Hohenstein-Ernstthal.
In seiner "Peter-Sodann-Bibliothek" sammelt er
Bücher von DDR-Verlagen, da er der Meinung ist, die Bücher seien erhaltenswert.2)
Foto mit freundlicher Genehmigung der AGENTUR BREILMANN
© André Böhm
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Peter Sodann, in zweiter Ehe mit seiner Frau Cornelia
verheiratet, ist Vater von zwei Töchtern und zwei Söhnen aus
einer früheren Ehe. Mit seiner Familie lebt er seit 1980 in Halle an der Saale.
Sein Sohn Franz Sodann (geb. 1973) ist inzwischen auch als Schauspieler erfolgreich.
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