Der spanische Clown Charlie Rivel wurde am 28. April 1896 als José Andreu i Lasserre in
Cubellas (Provinz Barcelona)
geboren. Sein Vater war der Artist Pedro Andreu, der seine Familie
mehr schlecht als recht mit einer kleinen Zirkustruppe über Wasser hielt.
Bereits mit drei Jahren stand der kleine José zusammen mit seinen vier
Brüdern in der Manege und lernte sein Handwerkzeug von der Pieke auf. Es
war ein langer Weg, bis er zu einem der berühmtesten Clowns der Welt
avancierte.
Einen ersten Erfolg konnte er 1907 zusammen mit seinen Brüdern als "The
Rivels" in Paris beim "Zirkus Lambert" verbuchen,
Engagements in London, Berlin und Amerika sollten sich anschließen.
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue
(Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
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Seinen Vornamen "Charlie" hatte er aus Verehrung zu Charlie Chaplin gewählt, etwa 1919
schlüpfte er erstmals in ein langes Hemd, setzte seine berühmte rote Pappnase auf, schminkte sich die Backen
in grellen Farben rot und weiß, stülpte sich die Glatze mit dem fuchsroten Haarkranz auf den
Kopf und wurde neben seinem Kollegen "Grock" zu einem der beliebtesten und begabtesten Clowns der
Welt.
Vor allem im Berlin der 1920er und 1930er Jahre machte er Furore, dort entstand 1931 auch seine
berühmteste Nummer "Akrobat schö-ö-ö-n", weiter der komische Trapez-Akt
"Chaplin am Trapez" sowie verschiedene andere seiner zugkräftigsten Einfälle,
mit denen Rivel legendär wurde. Bis 1934 arbeitete er mit seinen Brüdern
zusammen, danach ging er eigene Wege. Zu seiner Nummer "Akrobat schö-ö-ö-n"
wurde 1942/43 von Wolfgang Staudte auch ein Film mit dem gleichen Titel gedreht, in dem
Rivel selbst die Hauptrolle übernahm: Der stellenlose Artist Charlie gibt seine Hoffnung auf
einen großen Durchbruch nicht auf und trainiert wie besessen akrobatische Kunststücke
und Zaubertricks. Während seine Schülerin Monika eine Stellung im Varieté
"Tabarin" findet, kann Charlie dort lediglich eine Anstellung
als Bühnenarbeiter und schließlich als Wach- und Schließmann bekommen. Als
er eines Nachts heimlich auf der Varietébühne trainiert lernt er die ebenso
erfolglose Artistin Bibiana kennen. Fortan üben die beiden
gemeinsam vor dem dunklen, leeren Zuschauersaal. Durch ein Missgeschick schaltet sich
die Lichtreklame des geschlossenen Theaters ein, was ausgerechnet der Direktor bemerkt. Empört kündigt er den beiden
"Hilfsarbeitern". Als sich ein Mitglied der berühmten "Drei
Martonis" die Hand verstaucht, erinnert sich der in Bedrängnis geratene Direktor
an die nächtliche Vorstellung Charlies und Bibiana
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Gegen Ende des 2. Weltkrieges sowie nach 1945 zog sich Charlie Rivel viele
Jahre lang ganz aus dem Showgeschäft zurück und lebte auf seiner Besitzung
bei Chennevieres an der Marne, zusammen mit seiner Frau Canmen, einer ehemaligen
Zirkusreiterin. Dort widmete er sich ganz seinen Liebhabereien,
nämlich dem Angelsport und der Blumen- und Geflügelzucht.
Erst sein berühmter Kollege "Grock" konnte ihn Anfang der 1950er Jahre überreden, wieder
aufzutreten. Rivel feierte erneut Triumphe während
einer Tournee durch Westdeutschland, zehn Jahre später feierte er in
Hamburg sein 60-jähriges Bühnenjubiläum und anlässlich seines 70. Geburtstages strahlte das ZDF 1966 den
Film "Der Clown" aus.
Anfang 1981 unternahm der damals 85-jährige Charlie Rivel eine
Abschiedstournee durch Deutschland, bei der unter anderem in München auch sein Sohn
Juanito und Tochter Paulina in der Manege des Zirkus Krone auftraten.
Charlie Rivel ganz privat (1982)
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue
(Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
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Charlie Rivel starb am 26. Juli 1983 im Alter von 87 Jahren in Barcelona;
wenige Wochen vorher hatte er einen Schlaganfall erlitten, von dem er sich
nicht mehr erholte. Noch im Juni 1982 hatte er nach dem Tod seiner ersten
Frau die 28 Jahre jüngere Margarita Camas geheiratet. Seine Söhne Juanito, Charlie und Valentino
aus erster Ehe wurden ebenfalls artistische Weltstars.
Charlie Rivel brachte Persönlichkeiten aus aller Welt ebenso wie das
einfache Publikum mit seiner Kunst zum Lachen, unzählige Auszeichnungen,
die er aus der Hand von Staatsgrößen erhielt, Widmungen, Briefe oder
Autogramme von Stars zeugen von der Beliebtheit des großen Clowns. In Barcelona, auf Ibizza und in
Cubellas wurden ihm zu Ehren Denkmäler erbaut.
In den Medien wurde Charlie Rivel anlässlich seines Todes als "einer der letzten großen Clowns"
bezeichnet. In DIE ZEIT hieß es damals unter anderem: Kinder waren die Quelle seiner Heiterkeit
und seines Spiels. Noch als Greis sah er ihnen zu. Warum?
"Weil ein Clown nichts anderes ist als ein Kind, das versäumt hat, erwachsen zu
werden." Er glaubte deshalb, dass ein Clown nur dann gut sei, "wenn alle Kinder ihn
verstehen". Er hatte damit niemals Schwierigkeiten. "Ich denke an Kinder,
wenn ich mir ein neues Stück ausdenke. Kinder haben diese unfreiwillige Komik, die Erwachsene überhaupt nicht
kennen". Ihre Spiele im Sandkasten erlebte er als Komödien.
So wurde er, zugleich ein Schlauer und Naiver, zu einem Demonstranten
"einfacher Wahrheiten", und er pflegte sie bei seinen
Auftritten intensiv uneilig darzustellen: ein philosophierender Spaßvogel, der keine Umwege,
der nur die Wege lang, sehr lang machte, der kein Raffinement brauchte, obwohl es so schien, wenn er die
kleinen inszenierten Katastrophen wie Naturereignisse darbot, diese sichtbar gemachten Überlegungen,
etwa das unglaubliche Problem, wie mit einer Gitarre in der Hand auf einem Stuhl Platz zu nehmen sei.
Dann glaubte man, die Zahnräder seiner Denkmaschine im Kopf knarren zu hören, nein, zu sehen:
ein Optimist, dem die Abenteuer des Lebens am Ende gelingen oder auch nicht. (M. Sack)."
Die Lebenserinnerungen Charlie Rivels erschienen 1972 übersetzt unter dem deutschen Titel
"Akrobat schööön".
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