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Eine erste kleinere, über Statistenauftritte hinausgehende Filmrolle übernahm sie als Tänzerin in David Hemmings' Streifen "Schöner Gigolo, armer Gigolo"1) (1978), es folgten Auftritte in Ulrich Schamonis TVFilm "Das Traumhaus"1) (1979) und Lothar Lamberts Subkultur-Klassiker "Die Alptraumfrau" (1981). Mit "Unsere Leichen leben noch"3) (1981) erfolgte eine erste Zusammenarbeit mit dem Regisseur Rosa von Praunheim1), der als der öffentliche Wegbereiter und einer der Mitbegründer der politischen Schwulen- und Lesbenbewegung in der Bundesrepublik Deutschland gilt. Mit ihm drehte sie auch "Horror vacui Die Angst vor der Leere"4) (1984), nach Gusztáv Hámos' experimentellen Science-fiction-Film "Der Unbesiegbare" (1985; u.a. mit Udo Kier) und dem Kinderfilm-Klassiker von Arend Agthe "Küken für Kairo" (1985) schrieb sie gemeinsam mit Regisseur Rosa von Praunheim sowie Hannelene Limpach und Marianne Enzensberger das Drehbuch zu Praunheims Film "Anita Tänze des Lasters"1) (1988), stand mit der Hauptrolle der Frau Kutowski bzw. Anita Berber vor der Kamera. Ulrich Behrens schrieb unter anderem bei "Filmzentrale": "Anita Tänze des Lasters" spielt mit der Verwechslung, Identifizierung und der Distanzierung der Grauen folgerichtig auch in Schwarz-Weiß, vor allem Grau gefilmten Gegenwart gegen die bunte, lasterhafte Vergangenheit. Neben einer, die sich für Rosa Luxemburg hält (Eva-Maria Kurz), einem religiös-fanatischen Patienten (Friedrich Steinhauer) und etlichen anderen gibt Frau Kutowski/Berber jedoch nicht etwa auf. Nein, sie reimt, schreit, lacht, und dreht den Ärzten und Psychologen, Schwestern und Pflegern das Wort im Mund herum, damit es passt zu ihrer Situation. Und uns passt das auch vorzüglich. Letztlich ist es völlig gleichgültig, ob sie nun die Kutowski ist oder die Berber oder die Huber. Sie lebt als Anita. Und Rosa von Praunheim wechselt zwischen dem eintönigen Grau der psychiatrischen Gegenwart und dem farbenprallen erinnerten Vergangenen der 1920er Jahre. "Anita Tänze des Lasters" ist auch die Lebensgeschichte der Anita Berber, die 1916, mitten im Ersten Weltkrieg, ihre kurze Karriere als femme fatale und Tänzerin begann. ( )
Über Nacht war Lotti Huber mit diesem Film im hohen Alter zum Star geworden, wurde als "Grande Dame der Subkultur" gefeiert und hatte vor allem in der schwul-lesbischen Szene eine große Fangemeinde. Es folgte Norbert Kückelmanns komödiantischer Krimi "Schweinegeld Ein Märchen der Gebrüder Nimm"5) (1989; mit Armin Mueller-Stahl) sowie von Praunheims semidokumentarischer Portrait-Film "Affengeil. Eine Reise durch Lottis Leben"3) (1990), weitere Streifen mit Lotti Huber waren unter anderem Siegfried Kühns "Die Lügnerin" (1992) mit Katharina Thalbach in der Hauptrolle, von Praunheims "Neurosia 50 Jahre pervers" (1995) und der TV-Film "Helden haben's schwer" (1996); letztmalig agierte sie neben Marita Marschall und Henry Hübchen in dem heiteren Fernsehfilm "Liebling, vergiß die Socken nicht!"6) (1998). Regelmäßig war Lotti Huber auch in der von Holger Weinert1) moderierten HR-Sendung "Holgers Waschsalon" auf dem Bildschirm präsent. In ihren letzten Lebensjahren avancierte Lotti Huber zu einer vielbeschäftigten Entertainerin und Sängerin, die in zahllosen Talkshows das Publikum mit Geschichten aus ihrem aufregenden Leben unterhielt und sich grandios als Selbstdarstellerin vermarktete. Darüber hinaus ging Lotti Huber mit Soloprogrammen auf Tournee, in denen sie aus ihrem bewegten Leben erzählte, kombiniert mit Chanson- und Tanzeinlagen. Wenn die fast 80-Jährige das Mikrofon ergreift und von wilden Träumen und Trieben singt, der Tristesse der zwanghaften Zweisamkeit den fröhlich begangenen Seitensprung gegenüberstellt, wenn sie mit rollendem Ufa-Rrr die Errrotik beschwört, spricht sie, bei Frauen zumal, verdeckte Sehnsüchte an: daß es jenseits von Friedhofsbesuch und Butterfahrt im Alter etwas anderes geben kann Spaß., schreibt Barbara Supp unter anderem in dem SPIEGEL-Artikel "Schöne Männer, schwüle Nächte" (DER SPIEGEL Nr. 49/1990).
Lotti Huber, die zuletzt in einer Gründerzeit-Wohnung in Berlin-Charlottenburg lebte, starb am 31. Mai 1998 im Alter von 85 Jahren überraschend an Herzversagen bzw. an den Folgen einer Lungenentzündung; ihre letzte Ruhestätte fand die avantgardistische Künstlerin nach eigenen Wünschen auf dem Jüdischen Friedhof Heerstraße in Berlin neben ihrem Mann Norman Huber. Die Beisetzung geriet zu einer Hommage an die greise Diva und "Femme fatale", unter den fast 500 Trauergästen waren Fans, Verwandte aus Israel sowie schrill gekleidete Szene-Größen und Prominente aus dem Kulturleben. Die Feier wurde auf Wunsch der Verstorbenen nach jüdischem Ritual abgehalten.7) Ex-Kultursenator Volker Hassemer hielt die Trauerrede, sagte unter anderem ""Lotti Huber schien uns allen wüst, aber unverwüstlich Sie war ein starkes Stück." ( ) "Berlin hatte das Glück, dass sie ihre letzten Jahrzehnte dieser Stadt schenkte." |
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Link: 1) Wikipedia, 3) www.rosavonpraunheim.de, 4) www.djfl.de, 5) www.film.at, 6) prisma-online.de Quelle: 2) Wikipedia, 6) www.hagalil.com |
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| Siehe auch Wikipedia
sowie den Nachruf bei www.hagalil.com; Filmografie bei www.imdb.de |
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