Die Schauspielerin, Regisseurin und Intendantin Ruth Drexel wurde am 14. Juli 1930 im niederbayerischen Vilshofen1) geboren; ihr Vater starb während des 2. Weltkrieges. Aufgewachsen in Trostberg1) an der Alz (Chiemgau) erwarb sie sich nach Schule und Abitur ihr schauspielerisches Handwerkzeug an der "Otto-Falckenberg-Schule"1) in München, ein erstes Engagement erhielt sie 1953 von Hans Schweikart1) an den "Münchner Kammerspielen"1), wo sie bis 1971 mit Unterbrechungen immer wieder auf der Bühne stand. Eine weitere Station von Ruth Drexels Theaterlaufbahn wurde unter anderem 1957 Bertolt Brechts "Berliner Ensemble"1), dem sie bis 1959 angehörte.
 
 

Ruth Drexel als Hobbydetektivin Agathe Heiland
in "Agathe kann's nicht lassen II – Alles oder nichts" (2005)
Foto mit freundlicher Genehmigung von Lisa Film
© Lisa Film

Ruth Drexel als Hobbydetektivin Agathe Heiland in "Agathe kann's nicht lassen II - Alles oder nichts" (2005); Copyright Lisa Film
Danach erlebte man sie unter anderem in Berlin an der "Schaubühne am Halleschen Ufer"1), wo sie seit der Premiere am 5. Februar 1966 als geldgierige Kleinbürgerin Balbina Puhlheller in dem Mundartstück "Der starke Stamm" von Marieluise Fleißer1) (Regie: Hagen Mueller-Stahl1)) brillierte, eine Figur, mit der sie 1979/80 am Münchener "Residenztheater" in einer Inszenierung von Dieter Giesing1) erneut Triumphe feierte. Hagen Mueller-Stahl hatte sie zuvor als Witwe Leokadja Begbick in dem Brecht-Lustspiel "Mann ist Mann"1) (Premiere: 29.03.1964) besetzt, in "Jagdszenen aus Niederbayern"1) von Martin Sperr (Premiere: 27.09.1966) gab sie die Bäuerin Maria bzw. Zimmerwirtin von Abram, gespielt von Dieter Kirchlechner2)
Sie trat an den Wuppertaler Bühnen (1967) auf, wusste an den Staatstheatern von Stuttgart (1970/71) und Darmstadt (1972–1975) zu überzeugen, ebenso wie am "Düsseldorfer Schauspielhaus" (1976–1979); seit 1976 gehörte sie dem "Bayerischen Staatsschauspiel"1) an. Unter so bedeutenden Regisseuren wie beispielsweise Peter Palitzsch1), Wilfried Minks1) oder Peter Zadek1) konnte Ruth Drexel immer wieder ihre schauspielerische Vielseitigkeit beweisen. Wichtige Rollen am "Bayerischen Staatsschauspiel" waren laut "Henschel Theaterlexikon"*) unter anderem:
(Link: Wikipedia; R = Regie, UA = Uraufführung)

Aber auch in eigenen Inszenierungen begeisterte sie die Zuschauer. So unter anderem mit Nestroy-Possen wie "Frühere Verhältnisse"1) (1978 am "Düsseldorfer Schauspielhaus") oder 1981 mit "Der Talisman"1), der erste Regiearbeit einer Frau am "Bayerischen Staatsschauspiel". 1980 gehörte sie zu den Mitbegründern der "Tiroler Volksschauspiele"1) in Telfs und seit 1981 inszenierte sie dort regelmäßig zahlreiche Stücke. Zusammen mit ihrem Lebensgefährten Hans Brenner2) (1938 – 1998) gehörte Ruth Drexel zu den künstlerisch prägenden Persönlichkeiten des jährlichen Theaterfestivals, nach Brenners Tod leitete sie die Spiele bis 2009.
1988 übernahm Ruth Drexel für zehn Jahre die Intendanz und Geschäftsführung des "Münchner Volkstheaters"1), führte auch hier Regie, stand oft mit Hans Brenner in zahlreichen Stücken auf der Bühne und etablierte das Volkstheater zu einem festen Bestandteil des Münchner Kulturlebens. Über ihre Inszenierung von Ödön von Horváths Schauspiel "Kasimir und Karoline"1) (Premiere: 19.03.1994) mit Wolfgang Maria Bauer1) (Kasimir) und Claudia Wipplinger (Karoline) schrieb Hans Krieger1) unter anderem: "(…) in Ruth Drexels Volkstheater mußte man gehen, um Schauspielkunst zu erleben, die es genau nimmt mit dem Menschen, mit den Widersprüchen seiner inneren Natur und den Zwängen seiner gesellschaftlichen Ordnung. (…) Ruth Drexel macht keinen Versuch zu vordergründiger Aktualisierung; nie bleibt ein Zweifel, daß wir auf eine vergangene Zeit blicken, und eben darum, weil dieses Vergangene so klar und intensiv angeschaut ist, kann uns so unmittelbar anspringen, was daran noch immer heutig ist. Vor allem aber: Ruth Drexel denunziert nicht. Ihr Blick ist gnadenlos genau, aber nie unbarmherzig kalt. Sie zeigt die jammervolle Schwäche jammervoll kleiner Menschen, aber auch den Schmerz über dieses Elend und die ahnungsvolle Einsicht, wie es anders sein könnte. Sie macht zutiefst humanes Theater." (Kulturmagazin "Applaus", Heft 5, 1994)*). Weitere Inszenierungen waren beispielsweise "Wassa Schelesnowa"1) (ab 1994) von Maxim Gorki mit Christine Ostermayer2) in der Titelrolle, "Reigen"1) (1996) von Arthur Schnitzler und "Das Mädchen aus der Feenwelt oder Der Bauer als Millionär" (1998) von Ferdinand Raimund.
Nach dem Rücktritt ihres Nachfolgers Hanns Christian Müller1) im Februar 1999 übernahm sie auf Bitten der Stadt München nochmals für drei Spielzeiten die künstlerische Leitung des Volkstheaters. In dieser Zeit trugen die Stücke "Der Marquis von Keith" (2001) von Frank Wedekind mit Markus Völlenklee1) in der Titelrolle und zuletzt "Die Liebe in Madagaskar" (2002) von Peter Turrini1) mit Christine Ostermayer als vermeintliche Schauspielerin Bergman von der Barmer und Nikolaus Paryla2) als Besitzer eines schmuddeligen Wiener Vorstadtkinos ihre Handschrift.
"Als Intendantin des "Münchner Volkstheaters" verschaffte sie dem Haus an der Brienner Straße solide Erfolge – mit Stücken von Goldoni, Brecht, Labiche, Nestroy, Raimund, Schnitzler, Bond, Sperr und vielen anderen. Sie engagierte junge Regisseure wie Katharina Thalbach1), Markus Völlenklee, Wolfgang Maria Bauer (auch als Autor und Schauspieler) und Sewan Latchinian1) und arbeitete mit dem Oberspielleiter Christoph Brück." notiert das "Henschel Theaterlexikon"*). 2002 übergab sie die Intendanz an Christian Stückl1). Mit dem Zwei-Personenstück "Späte Gegend" von Lida Winiewicz1) bzw. der Rolle der Bäuerin und Partnerin von Christine Ostermayer (die Städterin) verabschiedete sich Ruth Drexel am 22./23.Dezember 2005 von der Bühne des "Münchner Volkstheaters".
Anlässlich ihres 70. Geburtstages meinte die Theaterkritikerin Christine Dössel in der "Süddeutschen Zeitung" (13.07.2000): "Es ist nicht einfach so dahin gesagt, wenn man Ruth Drexel die "Mutter Courage des Volkstheaters" nennt. Sie hat den Titel wirklich verdient, ihn mühevoll erkämpft. Diese Frau ließ sich das Volkstheater nie madig machen, und wenn sie jetzt, mit 70, vielleicht kurz mal anhält inmitten der Arbeit und zurückblickt auf ihr reiches Künstlerleben, hat sie einigen Grund, stolz darauf zu sein. (…) Ruth Drexel ist eine Volksschauspielerin im besten Sinne des oft missbrauchten Wortes – und Therese Giehses2) einzig legitime Nachfolgerin." Fünf Jahre später schrieb Michael Skasa1) ebenfalls in der "Süddeutschen Zeitung" (12.07.2005) über Drexel: "Eine Niederbayerin mit einem Löwenherz und auch 75-jährig noch mit der Verspieltheit von Katzen und der Pranke, die fürs Regiegeschäft nötig ist."*)
   
Einem breiten Publikum über Bayerns Grenzen hinaus bekannt wurde Ruth Drexel seit Mitte der 1960er Jahre mit größeren Rollen durch das Fernsehen. So erlebte man sie beispielsweise in der Max Frisch-Adaption "Biedermann und die Brandstifter"1) (1967), dem Biopic "Mathias Kneissl"1) (1970) oder als Protagonistin in der Serie "Die Perle – Aus dem Tagebuch einer Hausgehilfin"3) (1969/70). In vielen beliebten TV-Serien spielte sie sich in die Herzen der Zuschauer, so als Lisi Schleibinger in dem Quotenrenner "Monaco Franze – Der ewige Stenz"1) (1983), als Bürgermeisterin in "Irgendwie und sowieso"1) (1986) oder als Gastwirtin "Weißwurst-Paula" Weingartner in "Zur Freiheit"1) (1987). Ungeheure Popularität erlangte die Schauspielerin ab Mitte der 1990er Jahre durch ihre Rolle der resoluten, oft eigensinnigen Pensionswirtin Resi Berghammer bzw. Mutter des schwergewichtigen "Bullen von Tölz"1) alias Ottfried Fischer1) und hiermit trug sie bis zuletzt nicht unwesentlich zum Erfolg der Reihe bei; mit dem Tod von Ruth Drexel 2009 wurde der Sat.1-Quotenrenner eingestellt.
Daneben stand sie unter anderem als Mama Stieglmeier in Jo Baiers Gesellschaftsdrama "Wambo"1) (2001), das sich an dem Leben des urbayerischen Originals Walter Sedlmayr2) (1926 – 1990) orientierte, vor der Kamera, in Rolf Silbers "Ein Sommertraum" (2001) mimte sie die Elisabeth Straub und Mutter der karrieresüchtigen und egoistischen Hamburger Anwältin Thea Straub alias Katharina Böhm. In der unterhaltsamen SAT 1-Reihe "Körner und Köter"1) (2002) agierte sie als Ilse Millner und in der turbulenten Heimat-Komödie "Zwei am großen See"1) (2004) erfreute sie das Publikum als die enttäuschte Haushälterin Regina Lechner, die sich mit der Erbin Antonia Berger, gespielt von Uschi Glas2), anfangs um die Hinterlassenschaft ihres verblichenen und wohlhabenden Lebensgefährten streitet. Fortgesetzt wurde die Geschichte im März bzw. April 2005 mit "Die Eröffnung"4) und "Angriff aufs Paradies"3), in der beide nun ein Hotel führen und gegen die "fiese" Konkurrenz kämpfen müssen; Ende April 2006 gab es mit den Folgen "Feindliche Übernahme"4) und "Große Gefühle"3) zwei weitere melodramatische Geschichten.   
Zu den Fernsehproduktionen nach der Jahrtausendwende zählte auch die Hauptrolle in Felix Mitterers berührendem Drama "Die Heilerin"4) (2004): Hier verkörpert Ruth Drexel eindrucksvoll die Halfried Seelig und Frau eines Tiroler Sprengelarztes, die bereits seit ihrer Kindheit außergewöhnliche Fähigkeiten hat: Sie vermag durch Auflegen ihrer Hände und durch die reine Kraft ihrer Gedanken kranke Menschen zu heilen; als sie diese besondere Gabe nach vielen Jahren wieder einsetzt, handelt sie sich damit jedoch nicht nur Lob und Anerkennung ein…Mitte Dezember 2008 gab es mit "Die Heilerin 2"4) eine Fortsetzung um die visionäre, außergewöhnliche Frau. Im Mittelpunkt der Geschichte stand diesmal ein Mutter-Tochter-Konflikt, zwischen Halfried und ihrer Tochter Marion (Geno Lechner), die als Schulmedizinerin arbeitet, aber auch die belastende Beziehung zwischen Marion und deren Tochter Laura (Lea Kurka), welche sich zunehmend in eine eigene Welt verkriecht. Als Marion schwer erkrankt, wird dies zum Prüfstein für Großmutter, Tochter und Enkelin.
Eine Rolle, die Ruth Drexel auf den Leib geschrieben zu sein schien, war auch die der Hobbydetektivin Agathe Heiland: Als deutsche "Miss Marple" trat sie in die Fußstapfen der legendären Margaret Rutherford und löste in der ARD-Krimireihe "Agathe kann's nicht lassen"1) auf humorvolle und eigenwillige Weise knifflige Fälle. 

Ruth Drexel als Hobbydetektivin Agathe Heiland und Hans-Peter Korff in "Agathe kann's nicht lassen II –Alles oder nichts" (2005); Copyright Lisa Film Bereits mit den ersten beiden Folgen "Mord im Kloster"4) (26.10.2005) und "Alles oder nichts"4) (3.11.2005) spielte sich Ruth Drexel einmal mehr in die Herzen des Publikums. Ende Dezember 2006 bzw. Anfang 2007 folgten mit "Die Tote im Bootshaus"4) (21.12.2006), "Mord mit Handicap"4) (30.12.2006) und "Das Mörderspiel"4) (04.01.2007) drei weitere unterhaltsame Geschichten mit der gewieften Hobbydetektivin. Wurde Agatha Christies Hobby-Ermittlerin von Mr. Stringer unterstützt, stand ihrem bayerischen Pendant der feingeistige, etwas ängstliche Buchhändler Cornelius Stingermann zur Seite, herrlich gespielt von Hans Peter Korff2); die Rolle des unfähigen und begriffsstutzigen Kommissars Krefeld, der von den Schnüffeleien der resoluten Rentnerin wenig begeistert ist, mimte Maximilian Krückl1), der auch für die Drehbücher verantwortlich zeichnete.
 
Ruth Drexel als Hobbydetektivin Agathe Heiland und Hans Peter Korff
in "Agathe kann's nicht lassen II – Alles oder nichts" (2005) 
Foto mit freundlicher Genehmigung von Lisa Film
© Lisa Film
In der von Joseph Vilsmaiers in Szene gesetzten tragikomischen Geschichte "Das Weihnachts-Ekel"1) mit Fritz Wepper in der Titelrolle, überzeugte die sympathische Schauspielerin Mitte Dezember 2006 als Rentnerin Rita Waltleitner, die gemeinsam mit sechs anderen, höchst unterschiedlichen Menschen in einer Scheune Zuflucht vor einem Schneesturm sucht und im Verlaufe dieses Weihnachtsmärchens die wundersame Wandlung eines schrulligen Zynikers (Fritz Wepper) erlebt → mehr Filmografie.
Zudem stand Ruth Drexel mitunter im Hörspielstudio und bereicherte vor allem Stücke mit bayerischem Kolorit. Eine Auswahl der bei der ARD Hörspieldatenbank gelisteten Produktionen findet man hier.
 
Die beliebte Schauspielerin und langjährige Intendantin des "Münchner Volkstheaters" Ruth Drexel erlag am 26. Februar 2009 im Alter von 78 Jahren einer Krebserkrankung; am 2. März 2009 wurde sie im engsten Familienkreis in Feldkirchen1) bei München, wo sie zuletzt viele Jahre gelebt hatte, in aller Stille beigesetzt → Foto der Grabstelle bei knerger.de. Die "Süddeutschen Zeitung" bezeichnete die Künstlerin in einem Nachruf als "Mutter Courage des Volkstheaters", die "zäh, klug, hart und stark" war. "Streitbar und politisch unangepasst. Nie volkstümelnd, aber volksnah. Nie das Bayerische verleugnend, sondern es aufgeklärt-rebellisch verteidigend." → www.sueddeutsche.de
 
Während ihrer langen Laufbahn wurde Ruth Drexel mit zahlreichen Auszeichnungen für ihre Leistungen geehrt: So war sie unter anderem Trägerin des "Adolf-Grimme-Preises", der "Ludwig-Thoma-Medaille" der Stadt München, des "Deutschen und Bayerischen Fernsehpreises" und des "Bayerischen Verdienstordens". 2006 erhielt sie die "Goldene Romy" als "Beliebtester weiblicher Serienstar", bereits 2004 hatte sie den Preis für ihre Rolle in "Der Bulle von Tölz" entgegen nehmen können. Zuletzt ehrte man Ruth Drexels künstlerische Leistungen 2007 mit der "Bayerischen Verfassungsmedaille in Gold".
Anlässlich des 75. Geburtstages der außergewöhnlichen Künstlerin erschien Anfang Juni 2005 von der bekannten Kulturjournalistin Krista Hauser das Buch "Ruth Drexel: Eine Biografie".
 
Auszeichnungen
(Quelle und Link: Wikipedia)

Bis 1965 war die Künstlerin mit Michael Adami verheiratet, aus der Ehe stammt die 1956 geborene Tochter Katharina Adami, Wirtschaftsjournalistin beim BR Fernsehen. Von 1969 bis zu seinem Tode am 4. September 1998 war sie mit dem Schauspieler Hans Brenner liiert. Aus dieser Verbindung ging Tochter Cilli Drexel1) (geb. 1975) hervor, die sich inzwischen als Schauspielerin und Regisseurin einen Namen gemacht hat.

Siehe auch Wikipedia, www.deutsches-filmhaus.de, filmportal.de, prisma.de
sowie das Interview (1989) bei www.kultur-fibel.de
Nachrufe bei www.stern.de und www.sueddeutsche.de, www.welt.de
*) Henschel Theaterlexikon (Hrsg. C. Bernd Sucher; Henschel Verlag, 2010, S. 170/171)
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 3) fernsehserien.de, 4) prisma.de
    
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie
filmportal.de
(Fremde Links: Wikipedia, filmportal.de, Die Krimihomepage, fernsehserien.de, prisma.de)
Kinofilme Fernsehen (Auszug)
Hörspielproduktionen (Auszug)
(Fremde Links: ARD-Hörspieldatenbank (mit Datum der Erstausstrahlung), Wikipedia, filmportal.de)
Um zur Seite der Publikumslieblinge zurückzukehren, bitte dieses Fenster schließen.
Home: www.steffi-line.de