| Jacques Tati | |||||||||||||||
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Jacques Tati wurde am 9. Oktober 1909 als Jacques Tatischeff im
französischen Le Pecq (Yvelines) geboren; sein Vater war Kunstrestaurator
und russisch-holländisch Abstammung sowie Enkel eines russischen Botschafters in
Paris. Mit seiner älteren Schwester Nathalie verbrachte Tati seine Kindheit in Saint Germain-en-Laye,
wo er 1925 auch seine Militärzeit bei den 16. Dragonern
ableistete. Danach erlernte er den Beruf des Vaters, interessierte sich aber
mehr für Sport und war zunächst als Rugby-Spieler aktiv; später arbeitete
er dann als Pantomime am Kabarett sowie in den Music-Halls von Paris. In den
30er Jahren trat er als Darsteller in Kurzfilmen auf, erstmals 1932
in "Oscar, champion de tennis"; 1938 gab er sein Regiedebüt mit
dem Film "Retour à la terre". Schon sein erster 1947 gedrehter eigener Spielfilm "Jour de fête" (Tatis Schützenfest1), in dem er auch die Hauptrolle des Dorfbriefträgers François, der obsessiv seinen simplen Job modernisieren will, übernahm; wurde in Venedig mit dem besten Drehbuch ausgezeichnet. Bereits dieses Erstlingswerk wies alle Merkmale von Tatis turbulenten, den Klamauk nicht scheuenden Gesellschaftssatiren auf, die mit Nonchalance und Charme der temporeichen modernen Welt das alte provinzielle Frankreich als poetische Provinz entgegensetzten. Ursprünglich war "Tatis Schützenfest" als Farbfilm geplant gewesen, kam dann aber schwarzweiß ins Kino. Später hat man in Frankreich mit viel Liebe und Kunstverstand die wiedergefundene Farb-Fassung restauriert und 20 Jahre nach Tatis Tod erstmals ins Kino gebracht. Mit "Les vacances de Monsieur Hulot"1) (Die Ferien des Monsieur Hulot) folgte dann 1952 sein wohl bekanntester Film, in dem er mit dem kleinbürgerlichen Protagonisten "Hulot", dem die moderne Welt die Sprache verschlägt, eine Figur schuf, die zu den ganz großen komödiantischen Figuren der Filmgeschichte zählt: Der unbeholfene Hulot, der Träumer mit Regenmantel, Pfeife und viel zu kurzer Hose, ist ein freundlicher, argloser Störenfried, der alles richtig machen möchte, aber ständig Opfer des Alltäglichen wird und von einer Katastrophe in die andere schlittert. Durch das scheinbares Ungeschick entsteht subtile Komik, doch nicht allein Hulot ist komisch, das gesamte Ferienmilieu, die Riten der Freizeit, die Organisationsform der Jagd nach Erholung, die Dinge selbst tragen gleichsam an sich bizarre Züge, die der Film erst erschließt. Stärker noch als in "Jour de fête" spricht Hulot nur undeutlich, es gibt keine geschliffenen Dialoge, dafür aber eine sorgfältige Komposition der Geräusche. Die Figur des Monsieur Hulot ließ Tati später in allen seinen Filmen auftreten. Für sein Werk wurde Tati 1953 in Cannes mit dem "Großen Preis der Internationalen Kritik" ausgezeichnet.
1958 erschien dann "Mon Oncle"1), der erste von Tati herausgegebene Farbfilm,
in dem er Kritik an der vollautomatisierte Welt übte und die Diskrepanz zwischen Herz und
Technik aufzeigte; hierfür erhielt er einen "Oscar" als bester ausländischer Film.
1965 begann er mit den Dreharbeiten zu "Playtime"1)
(Playtime Tatis
herrliche Zeiten). Der Film zeigt Monsieur Hulot, den bescheidenen Feriengast, der
sich in der hochtechnisierten Villengegend verirrt und sich
zwischen gigantischen Großbauten, unpersönlichen Büros und ungemütlich steifen Hotels und
Restaurants nicht zurecht findet.
1971 schließlich konnten die Zuschauer
in "Trafic"1), einer
sanft witzigen Satire auf den Straßenverkehr und
die menschliche Kommunikation, Hulot's Kampf gegen die perspektivlose Technik
sehen und 1973 drehte er für das schwedische Fernsehen den Kinderfilm
"Parade", eine Art Dokumentarfilm über den Auftritt von französischen
Kabarettisten, der 1975 in Moskau ausgezeichnet wurde. Sein letzter Film in Vorbereitung,
der nie vollendet wurde, war "Confusion" und sollte sich mit
dem Medium Fernsehen auseinandersetzen. Seit 25. Mai 1944 war Jacques Tati mit Micheline Winter verheiratet; aus der Verbindung stammen Tocher Sophie (geb. 1944) sowie Sohn Pierre François (geb. 1949).
2002 ehrte man in Frankreich Tati als eine Art Nationalhelden:
Beim Filmfestival in Cannes gab es eine Retrospektive und die umjubelte Aufführung von
"Playtime" im originalen 70-Millimeter-Format und der Film und entpuppte sich als der Renner des Pariser Kino-Sommers.
Es war Tatis Neffe Jérôme Deschamps, der die Filme seines Onkels aus den Archiven ausgegraben und
"Playtime" neu ins Kino gebracht hatte. Das Filmmagazin
"Cahiers du Cinema" widmete Tati eine Sonderedition und die Ausstellung
"La vie en Tatirama" war bis Ende Oktober 2002 in Paris zu sehen;
2003 wandert sie weiter in die Designmetropole Rotterdam. |
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| 1) Filmbeschreibung von www.prisma-online.de | |||||||||||||||
| Textteile von www.prisma-online.de; siehe auch wikipedia.org, www.widi.ch | |||||||||||||||
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